Oldenburg/Sanderbusch - Der Beruf der Hauswirtschafterin wird weithin unterschätzt, meinen Ausbildungsexperten bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK/Oldenburg). Es werde häufig ignoriert, wie der Beruf sich entwickelt habe. Schon lange gehe es nicht mehr nur um „das bisschen Haushalt“, das einst in einem Schlager besungen wurde. Vielmehr sei eine Hauswirtschafterin heute auch eine gut ausgebildete Managerin, meint Anna Hahnke, die bei der Kammer Ausbildungsberaterin ist.

Das bestätigt Daniela Petersen, die kürzlich ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin als Notenbeste in der Region Friesland abgeschlossen hat. Sie habe neben den in der Öffentlichkeit bekannten Tätigkeiten wie Kochen, Waschen und Reinigen vor allem viel in den Bereichen Speiseplanung, Arbeitssicherheit sowie Kosten-, Qualitäts- und Krisenmanagement gelernt.

Die Berufsbezeichnung „Hauswirtschafterin“ sei veraltet und gebe nicht mehr wieder, welche Anforderungen an die Berufstätigen gestellt werden, bedauert Brigitte Christophers, Hauswirtschaftsleiterin im Wohn- und Pflegeheim Sanderbusch (Friesland). Es werde Wert auf eine möglichst vielseitige Ausbildung gelegt. So habe Daniela Petersen Erfahrungen in allen Abteilungen des Hauses gesammelt, in Küche, Wäscherei, Nähstube und bei Betreuungstätigkeiten.

Hauswirtschaft sei quasi Dreh und Angelpunkt- des Hauses, erläutert Thomas Kähler, Chef im Wohn- und Pflegeheim Sanderbusch. Man merke etwa häufig, wie sehr die Stimmung im Haus vom Speiseplan abhängig sei. Außerdem seien festliche Aktivitäten wie das Sommerfest ohne das Organisationstalent der Hauswirtschafterinnen nicht denkbar. Ein großer Teil des Etats liege in ihrem Verantwortungsbereich, so dass eine große Sorgfalt bei Einkaufs- und Speiseplanung sowie eine verantwortungsbewusste Kostenkalkulation notwendig seien.

Leider sei das Wissen über die große Bedeutung von Management, Verwaltung und Planung nicht weit verbreitet in der Gesellschaft.

Dabei handele es sich um einen vielseitigen Beruf: „Ich bin seit 36 Jahren in der Hauswirtschaft tätig und mir ist bisher noch nie langweilig geworden“, sagt Christophers. Kollegin Petersen weist auch auf Weiterbildungsmöglichkeiten hin – etwa die zweijährige Fortbildung zur hauswirtschaftlichen Leitung, die sie jetzt anpeilt. In der Region werde zudem auch ein Meisterkurs angeboten, ergänzt Hahnke.

In zahlreichen Häusern sind noch Ausbildungsplätze frei. Gewünscht werden oft die mittlere Reife sowie grundlegende mathematische Kenntnisse im Bereich der Kostenkalkulation, auch Praktika in der Hauswirtschaft sind gerne gesehen.