HEIDE - Die Herausforderung hatte es in sich. Wie kann man Grundschulkindern die abstrakte Zeitspanne von 100 Jahren näher bringen, und zwar so, dass es zum schönen, bleibenden Erlebnis wird? – Das war die Gretchenfrage, die sich das Lehrerkollegium der Grundschule Heide zum 100-jährigen Bestehen der Schule stellte. Die Antwort krempelt dieser Tage den Schulalltag um: Die 210 Kinder schlüpfen in die Rolle früherer Kinder – sie turnen, tanzen oder spielen wie einst die eigenen Eltern oder Vorfahren.
Um sich ein Bild vom früheren Schulleben zu machen, seien die 2. bis 4. Klassen im Vorfeld des Jubiläums zum Schulmuseum Bremen gefahren, berichtet Rektorin Ulla Dunker. Dort hätten sie erfahren, „wie man sitzen musste“ oder dass Kinder zur Strafe in der Ecke stehen mussten. „Entsetzt“ hätten manche Kinder reagiert, als sie hörten, dass auch „gezüchtigt“ wurde oder Kinder so arm waren, dass sie barfuß kamen.
Ein Stück weit entsetzt waren auch die Lehrer, als sie überlegten, welche Lieder sich denn wohl fürs Jubiläum (am Freitag, 6. Mai, 14.30 Uhr, Turnhalle Heide) eignen könnten. Denn manch ein Kinderlied früherer Zeiten beinhalte beim genauen Hinhören auch völkisches Gedankengut – und das wollte man nicht.
Offensichtliches Vergnügen bereitet indes das Erlernen von alten Spielen. „Im Internet“ sei man da fündig geworden, erklärte Michaela Dägele, die am Dienstag vor der Schule das Murmeln betreute. „Wenn man Kindern Material gibt, machen sie aus allem etwas“, bescheinigte die Pädagogin. So hatten Finja, acht, und Carlotta, neun, mit Parkettstäben eine Murmelbahn konstruiert, während ein paar Meter weiter Tobias, Matti, Tim, Laura und Sahand eine Rampe fürs Weit-Murmeln und Haakon, neun, mit Schere und Schuhkarton ein Ziel-Murmelspiel entwickelten.
Drinnen zeigten die Großmütter Hanna Prause und Christa Roux fünf Mädchen und einem Jungen, wie gehäkelt wird. Das gemeinsame Ziel: Zum Jubiläum soll eine „100“ gehäkelt werden – „30 Zentimeter hoch“, wie Christa Roux erklärte.
Die Aula „gehörte“ unterdessen der 1a und 1c, die sich zu der Akkordeonmusik von Inge Becker paarweise im plattdeutschen Kreistanz übten. Gelegentlich müsse man etwas gegen die aufkommende Unruhe tun, meinte Klassenlehrerin Gabriele Hamacher – aber das war bei früheren Volkstanz-Generationen wohl auch nicht anders.
Turnübungen aus Turnvater Jahns Zeiten hatte Sportlehrer Peter Schumann durch Kontakte zur Uni Oldenburg kennen gelernt und nach Heide „importiert“. Wenn dann am Freitag bei der Jubiläumsfeier zum Beispiel „Ring-Tennis“ gezeigt wird, dann hätten die mitwirkenden Kinder passende Turnkleidung an, so Ursula Dunker: das gute alte weiße Unterhemd, dazu eine schwarze Hose.
Viel mehr wollte sie allerdings vom Programm nicht verraten. Nur so viel: Es sei denkbar, dass 800 bis 1000 Besucher und Akteure teilnähmen.
