HEIDE - Wenn die Schüler der Verlässlichen Grundschule Heide abends ihren Tornister für den nächsten Schultag packen, müssen sie zurzeit nicht nur an Bücher, Mappen und Butterbrot denken. Auch ein „gelber Fuß“ gehört – zumindest in dieser Woche – zur Grundausstattung der Erst- bis Viertklässler.
Jeder der fünf Zehen des gelben Fußes steht für einen Wochentag, an dem die Grundschüler selbstständig, d.h. ohne „Eltern-Taxi“, zur Schule kommen und ein Stempel der jeweiligen Klassenlehrer dient als Nachweis. Wer am Ende der Woche alle Zehen abgestempelt bekommen hat, erhält eine Urkunde, welche die erfolgreiche Teilnahme an der Aktion „Zu Fuß, mit dem Bus oder dem Fahrrad zur Schule“ bescheinigt.
Seit 2003 ruft die VGS Heide Schüler und Eltern in Anlehnung an die weltweite Kampagne „I walk to school“zweimal pro Schuljahr dazu auf, das Auto stehen zu lassen. „Zwischen 7.45 und 8 Uhr herrscht auf unserem Parkplatz zunehmend eine Verkehrsdichte wie im Berufsverkehr einer Stadt“, erläutert Schulleiterin Ulla Dunker einen der Beweggründe der Aktion. Der Nutzen sei jedoch weitaus vielfältiger, als allein die Lösung eines Verkehrsproblems: „Auf eigenen Füßen stehen, den Schulweg eigenständig zu bewältigen, ist ein wichtiges Ziel der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Das lässt sie selbstbewusst werden.“
Zudem werde, so die Rektorin, das Sozialverhalten der Kinder gefördert, sie seien am Morgen wacher und konzentrierter und das verbesserte Orientierungsgefühl wirke sich positiv auf das Erkennen mathematischer Zusammenhänge aus. Wichtig sei auch der gesundheitsfördernde Aspekt der Bewegung an der frischen Luft. Und nebenbei sei die Aktion „praktizierter Umweltschutz“ sowie ein entscheidender Beitrag zur Verkehrserziehung.
Mit der Resonanz auf die Initiative ist die Rektorin zufrieden – rund 98 Prozent der Heider Schüler seien dieses Mal daran beteiligt, so schätzt sie. Und nicht nur Schüler – auch einige Lehrkräfte gehen mit gutem Beispiel voran. Konrektorin Sandra Schumacher-Achenbach etwa legt die neun Kilometer von ihrem Wohnort Bookholzberg ebenfalls per Rad zurück.
Noch bis Freitag dauert die Aktion, doch die Schulleiterin hofft, dass die „vielen guten Gründe“, ohne „Eltern-Taxi“ zur Schule zu kommen, Eltern und Schüler gleichermaßen überzeugen, so dass auch nach den Herbstferien weiterhin gegangen, geradelt oder mit dem Bus gefahren wird. „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommen, sondern es soll bei allen Beteiligten das Bewusstsein entstehen, dass es so wirklich besser ist“, erklärt Ulla Dunker.
