Heide - Basti macht so ziemlich alles falsch, was er überhaupt falsch machen kann: Er verrät bei einem Online-Spiel seinen wirklichen Namen, postet ein Foto von sich, gibt preis, wo er sich aufhält und er ist völlig unkritisch gegenüber einer vermeintlichen Chat-Freundin.
Yasin aus der Klasse 3b der Grundschule Heide und seine Mitschüler sind da weiter. „Man darf im Internet nichts Persönliches verraten“, antwortet der Grundschüler auf die Frage von Kerstin Wulfekuhl, was Basti denn falsch gemacht habe. Die 3b hat gerade zusammen mit allen anderen Drittklässlern und den Schülern des vierten Jahrgangs das Stück „Netz-Dschungel“ gesehen, mit dem die in Delmenhorst stationierte Pädagogische Puppenbühne der Polizeidirektion Oldenburg (PäPP) durch Grundschulen tourt.
Kerstin Wulfekuhl, Björn Reschke-Thein, Jutta Hartz und Karsten Döhrmann wollen das Surfen, Spielen und Chatten im Netz nicht verteufeln, sondern vielmehr aufzeigen, wo Gefahren lauern, wie Nutzer ihre Identität schützen können und was jemand tun kann, der Opfer von Internet-Attacken geworden ist. Die vier gehören zu rund 70 Polizei-Puppenspielern, die sich landesweit in sieben „PäPPs“ in der Präventionsarbeit engagieren.
In Heide geht es am Mittwoch um die Vermittlung von Medienkompetenz, nachdem die Puppenbühne am Vortag vor den Erst- und Zweitklässlern mit einem Stück zur Verkehrserziehung aufgetreten ist. „Es ist erschreckend, wie einige Kinder im Internet allein gelassen werden“, sagt Ulla Dunker, Rektorin der Grundschule Heide. Polizeikommissar Döhrmann zieht einen Vergleich: „Beim Schwimmen bekommen Kinder erstmal Schwimmflügel angezogen – im Netz werden sie alleingelassen.“
Auch wenn das sicher nur für einen kleinen Teil der Eltern gilt: Die Puppenspieler haben die Erfahrung gemacht, dass praktisch jeder Grundschüler Zugriff auf Tablet oder Smartphone hat. Auch soziale Medien wie Snapchat und Instagram seien bekannt. Und viele Grundschüler hätten bereits Gruppenmobbing im Internet erlebt, sagt Kerstin Wulfekuhl.
Die Mädchen und Jungen aus der Klasse 3b in Heide wissen nicht nur genau Bescheid, was Puppe Basti falsch gemacht hat. Sie haben sogar einen Plan, was man tun kann, wenn beispielsweise ein Chat-Partner Kriminelles im Schilde führt: Einen Screenshot, also ein Bildschirmfoto, machen und ab damit zur Polizei. Auch das ist ein Anliegen der Polizei-Puppenspieler: Hemmschwellen abzubauen und Kindern Wege aufzuzeigen, sich Hilfe zu suchen, wenn im Netz etwas aus dem Ruder läuft.
An der Grundschule Heide freut man sich bereits auf den nächsten Besuch der Puppenbühne. Schulleiterin Ulla Dunker hat den nächsten Termin bereits vereinbart. Etwas Geduld müssen Schüler und Lehrer allerdings noch aufbringen: Die Puppenspieler sind so gefragt, dass stets etwa zwei Jahre Wartezeit eingeplant werden müssen.
