Oldenburg - Gabriela (13) kommt aus Bulgarien und ist seit sieben Monaten in Oldenburg. „Sie hat eine ausgezeichnete Schulbildung mitgebracht, aber sie hatte Angst, dass sie keinen schulischen Erfolg haben würde“, sagt Behice Sengün, ihre Lehrerin an einer der beiden Sprachlernklassen an der Oberschule Eversten. Gabriela sagt: „Ich freue mich sehr, dass ich von den Schülern und meiner Lehrerin in der Sprachlernklasse so herzlich aufgenommen worden bin. Ich habe hier das Gefühl, dass ich sehr willkommen bin und nicht alleine im ,Boot’ sitze“.
In den „Sprachlernklassen“ werden derzeit etwa 130 Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache gefördert. Es gibt sie an den Grundschulen Breewaterweg (2) und Haarentor, an den Oberschulen Osternburg, Eversten (2) und Alexanderstraße und an der BBS Haarentor und der BBS 3.
In den Sprachlernklassen lernen alle Schüler zunächst vor allem die deutsche Sprache, insbesondere die Fachsprache des Unterrichts. Behice Sengün sagt: „In den Regelklassen geht es für diese Schüler sprachlich noch zu schnell. Sie sind froh, dass sie sensibel auf die sprachlichen Erfordernisse vorbereitet werden, dass es spielerisch zugeht und sie Spaß haben dürfen. Hier ist Zeit, die Dinge mehrmals zu erklären und sich langsam an die Regelklasse zu gewöhnen. Das wird auch durch Patenschaften anderer Oberschüler unterstützt, das ist toll.“ Sprachlernklassen wie an der Oberschule Eversten seien „aus unserer Schullandschaft nicht wegzudenken“. Der Unterricht reicht vom Erstlese- und Schreiberwerb über Arbeitstechniken und methodische Kompetenzen bis zum eigenverantwortlichen Lernen.
Der Oldenburger Verein „Bildungschancen im Blick“ sieht die Sprachlernklassen als eine der unterstützungswürdigsten Einrichtungen im schulischen Bereich. Ihr Vorsitzender Hans-Jürgen Otto, der in diesem Jahr auch einer der Kandidaten für den Titel „Oldenburger des Jahres“ war, sagt: „Die Integration und Qualifikation von Kindern aus Flüchtlings- und anderen Migrantenfamilien verlangt mehr als nur den regulären Unterricht.“ Für die wertvolle Arbeit, die hier geleistet werde, benötige es aber auch stärkere staatliche Unterstützung. Die Sprachlernklassen, in denen die Schüler jeweils etwa ein Jahr verbringen, seien der richtige Weg, ein Ankommen zu ermöglichen und einen späteren Erfolg in den Regelklassen vorzubereiten.
Auch Mehran (13) und Arin (16) nutzen diese Chance an der Oberschule Eversten. Mehran ist vor zehn Monaten aus Afghanistan gekommen. Durch die lange Zeit der Flucht hat er Nachholbedarf. Behice Sengün sagt: „Mündlich ist Mehran ziemlich gut, aber schriftlich braucht er noch viel Unterstützung, vielleicht helfen dabei auch ehrenamtliche Menschen.“
Arin kommt aus Syrien und ist seit fünf Monaten in der Stadt. „Am Anfang war sie sehr zurückhaltend und beobachtend. Heute ist sie die beste in Mathematik“, sagt Behice Sengün. „Sie mag unsere gemeinsamen Unternehmungen und die vielen Sprachen in unserer Klasse, in der polnisch, armenisch, griechisch, bulgarisch, arabisch, kurdisch, persisch und italienisch gesprochen wird.“ Arin sagt: „Ich bringe meine Kenntnisse in Arabisch und Kurdisch sehr gerne ein, und ich finde es toll, was das Schulsystem mir für Möglichkeiten bietet.“
