Rastede - Der Hauptgrund für den Boykott der Klassenfahrten an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Rastede sei nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Lüneburg weggefallen, begrüßte Gerold de Boer, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternrates, am Mittwoch auf Anfrage der NWZ  die Entscheidung der Richter. Wie berichtet, hatten sie die Erhöhung der Unterrichtszeit für Gymnasiallehrer um eine Stunde am Dienstag für verfassungswidrig erklärt.

„Ich hoffe, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt“, sagte de Boer. Er wolle die Lehrer nicht unter Druck setzen, hoffe aber jetzt auf ein deutliches Signal von ihnen. Für Montagnachmittag ist ein Runder Tisch anberaumt, an dem Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter auch über den Klassenfahrten-Boykott sprechen werden.

Mit dabei ist dann auch Hartmut Kayser, Personalratsvorsitzender an der KGS. „Ich begrüße das Urteil, weil es eine Bestätigung unserer Argumentation ist“, sagte er am Mittwoch der NWZ . Bislang gebe es bezüglich des Urteils aber noch keine Rechtssicherheit. Die Landesregierung könnte gegen die Entscheidung der Richter klagen, keine Revision zuzulassen.

Hinsichtlich des Klassenfahrt-Boykotts hielt sich Kayser aus diesem Grund mit einer konkreten Aussage zurück. „Die Lehrkräfte befinden sich darüber in der Diskussion“, sagte er.

Dessen ungeachtet birgt das Urteil seiner Meinung nach ganz andere Probleme. Da es nicht genügend Lehrerstellen gibt, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) machte am Dienstag einen Fehlbedarf von 750 Stellen aus, werde die Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet sein. Es könnte zu „massiven Unterrichtsausfällen“ kommen. Hier sei die Landesregierung jetzt gefordert.

Auch Schulleiter Gerd Kip sah am Mittwoch im NWZ -Gespräch Handlungsbedarf seitens der Landesregierung. Die Reduzierung der Unterrichtsversorgung an der KGS allein durch die Rücknahme der Arbeitszeiterhöhung bezifferte er auf vier Prozent.

Mit Blick auf den Klassenfahrten-Boykott sagte Kip, dass der Schule gar nicht mehr genügend Mittel zur Verfügung stünden, um die Fahrten wie bisher anzubieten. Zum einen dürften Lehrer keine Freiplätze mehr in Anspruch nehmen, zum anderen müssten sie ihre Reisekosten über die Schule abrechnen. Dies wirke sich auf das Budget für Klassenfahrten aus.

„Wir überlegen zurzeit, wie wir den Rahmenwanderplan neu gestalten können“, sagte Kip. Dieser Plan gibt einen Überblick, in welchen Jahrgangsstufen welche Fahrten veranstaltet werden. Wenn am Dienstag die Gesamtkonferenz der Schule zusammenkommt, könnte möglicherweise schon eine Neufassung verabschiedet werden.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede