HORSTEDT - Dicht an dicht standen die geparkten Wagen der Besucher am Freitagnachmittag am Hahnenkamp: „Es ist ein toller Zuspruch“, freute sich Konrektorin Elsa Kramer-Spielmann über das Interesse am „Tag der offenen Tür“ im Waldklassenzimmer der Grundschule Harpstedt in Horstedt. „Wir möchten allen Eltern, deren Kinder hier hergehen, Gelegenheit geben, das Waldklassenzimmer kennenzulernen“, sagte Kramer-Spielmann. Und davon machten zahllose Mütter, Väter und Interessierte Gebrauch – trotz einstelliger Temperaturen und feuchter Witterung.
Doch mitunter „ungemütliches“ Wetter gehört auch für die Schülerinnen und Schüler in ihrem Waldklassenzimmer dazu: „Wir sind auch im Winter hier“, betonte Kramer-Spielmann: „Die Kinder lernten hier den Umgang mit der Natur zu allen Jahreszeiten.“ Alle zwei Wochen verbringt eine Klasse den Schulvormittag im Wald: in diesem Schuljahr neun Klassen. Erwünschter pädagogischer Effekt: Durch den naturnahen Unterricht werden Sozialverhalten, Motorik sowie Umweltverständnis gefördert. Und, so Kramer-Spielmann: „Das soziale Gefüge einer Klasse wird hier sehr gestärkt: Sie sind aufeinander angewiesen.“
Unter Bäumen statt unterm Schuldach sieht der Unterricht etwas anders aus: Da wird an Themen aus der Natur gearbeitet, werden Tiere in der Becherlupe beobachtet oder Bewegungs- und Sinnesspiele gespielt. Aber „auch Lesen, Schreiben, Rechnen“ steht auf dem Stundenplan, wie die Konrektorin betont. Wobei sich die Kinder selbst einteilen dürften, wann sie ihre Arbeitsblätter angehen.
Seit vier Jahren wird in Horstedt unterrichtet, zuvor hatte es bereits ein Waldklassenzimmer in Harpstedt gegeben. Ausgestattet ist das „Klassenzimmer“ mit einem Sitzkreis, hölzernen Tischen und Bänken, einem Toilettenhäuschen und einer Schlechtwetterhütte – gebaut mit Unterstützung von Erwin Spielmann und vielen Eltern. Das Waldstück am Hahnenkamp hat Günther Bahrs, Großvater eines ehemaligen Grundschulkinds, zur Verfügung gestellt. Und der schaute am Freitag nicht nur selbst vorbei, sondern zeigte sich auch angetan vom „Schulbetrieb“ im Wald: „Es kann so weitergehen.“
Während sich die Eltern über das Waldklassenzimmer informieren, nutzten ihre Sprösslinge die Zeit zum Klettern, Toben oder Bauen mit Stöcken. Mehrere Spielstationen sorgten für Abwechslung: von Fühlsäcken mit verschiedenen Materialien aus der Natur über Zapfen-Rennen bis zur „Blinden Karawane“ – Spiele, die auch die Schulkinder an Waldtagen spielen.
