Horumersiel - Mehrere Wangerländer Gastronomen und Hoteliers sind im Boot, außerdem die kath. Kirchengemeinde, die Grundschule Tettens, die WTG und die Friesenenergie, die Bücherinsel und das Bio- und Fairhandelshaus aus Grafschaft sowie Grafiker Andreas Reiberg: Sie alle bemühen sich bereits, ihre Müllmengen zu reduzieren und den Grund dafür auch ihren Kunden und Gästen zu erklären.
„Wir zeigen unseren Übernachtungsgästen, dass es plastikfrei geht – zum Beispiel beim Frühstück“, sagt Petra Lolies, „Alte Schule Minsen“. „Denn wir haben eine Verpflichtung, uns ökologisch zu verhalten“, nennt sie ihre Motivation. Sie und alle anderen Betriebe sind nun offizielle Partner der Initiative „Wangerland für müllfreie Meere“. Hervorgegangen ist sie aus dem touristischen Leitbildprozess als AG „Plastikfreies Wangerland“.
„Wir werden das Müllproblem nicht lösen können. Aber jeder kann dazu beitragen, dass Müll gar nicht erst entsteht“, sagt Martin Knapp, Motor der AG. Im vergangenen Jahr hatte die Initiative eine Broschüre aufgelegt, die erklärt, wie Müll im Meer wirkt, und sie breit gestreut: „Die Leute machen große Augen, wenn sie sich die Fakten ansehen“, hat Knapp festgestellt. Zum Beispiel, dass die gedankenlos ins Meer geschnippte Kippe bis zu fünf Jahre herumschwimmt, bis sie abgebaut ist, und die Plastikflasche sogar rund 400 Jahre. „Damit haben wir einen Denkprozess angeregt“, sagt Knapp.
Das Logo – ein stilisierter Plastikflaschen-Fisch, entworfen von Andreas Reiberg – soll nun auch in den Partnerbetrieben sichtbar werden: Auf Bierdeckeln etwa, auf Aufklebern, auf Tischaufstellern. Auf allen sind Informationen übers Müllproblem zu finden und die Aufforderung: Mach mit und vermeide Müll.
Die Partner haben nicht nur Vorbildfunktion gegenüber Gästen und Kunden, sondern sie wirken auch als Multiplikatoren im Wangerland: Die Grundschule Tettens zum Beispiel ist seit Jahren Umweltschule. „Unsere Klassenfahrten führen nach Spiekeroog zum Müllsammeln – so wird den Kindern das Müllproblem direkt vor Augen geführt“, erklärt Schulleiterin Janna Janssen. Und bei Schulfesten wird längst Mehrweggeschirr verwendet – „so sind unsere Feste weitgehend müllfrei“.
Reinhard Hartwig vom Biokaufhaus Mercado Mundial in Grafschaft passt dazu, weil sein Laden eine stetig wachsende Unverpackt-Abteilung hat: Kunden bringen ihre Behälter zum Einkauf mit.
Und die katholische Kirchengemeinde hält Veranstaltungen im Gemeindehaus in Schillig plastikfrei. „Wir reden in den Kirchen viel von der Bewahrung der Schöpfung – dafür müssen wir auch etwas tun“, sagt Pfarrer Lars Bratke.
