HOSüNE - Kann ein Kindergarten ganz ohne Spielzeug auskommen bei der Betreuung und Förderung seiner kleinen Besucherinnen und Besucher? – „Es sieht aus, als wenn dies ein sehr spannender Versuch werden kann“, sagt Detmar Wolff. Denn vor etwa drei Wochen wurde im Naturkindergarten – Träger ist die Ökologische Akademie Hosüne – nach und nach gemeinsam mit den Kindern begonnen, das gesamte Spielzeug auszusortieren. Ein Teil wurde in Kisten verpackt und ins Lager gestellt. Ein Teil – ebenfalls gut erhalten – wurde gleich für immer aussortiert und geht als Spende an rumänische Kinder.

Der Kindergarten möchte die Kleinen stärker als bisher zum selbsttätigen kreativen Handeln motivieren, zum Fragen und zum Suchen nach Antworten. Kinder lernen zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr mehr als jemals wieder in ihrem späteren Leben, so Detmar Wolff. „Und sie lernen durch Beobachtung, Nachfragen und eigenständiges Üben“, sagt er.

Spielzeug lenke von den wirklichen Wünschen der Kinder ab und motiviere nur zu wenigen vorgegebenen Spielen. „Umso mehr, je perfekter ein fertiges Spielzeug ist“, so Wolff.

Ohne Spielzeug sind die Kinder nun gefordert, jeden Tag eigene Ideen zu entwickeln, was sie machen möchten. Und da gibt es eine ganze Menge. So hat der Naturkindergarten eine eigene Werkstatt, wo gehämmert und gesägt werden kann. Da sind die beiden Ponys, die versorgt werden müssen. Das große naturbelassene Gelände am Kindergarten bietet vielfältige Möglichkeiten, neue Dinge auszuprobieren oder zu experimentieren. Statt Playmobil und Barbie bauen die Kinder zum Beispiel Menschen aus Kastanien und Eicheln und inszenieren damit ihre „soziale Spielwelt“. Es wird viel gemeinsam gekocht und gebacken.

Das Verbannen des Spielzeugs ist ein weiterer Schritt, um die Kinder fit zu machen für die späteren Anforderungen der Schule. Bei den Lernvorhaben und Experimenten ohne Spielzeug, die die Kinder selber wählen, gibt es viele Anlässe zum Umgang mit Buchstaben und Zahlen. Sie lernen dabei die Anfänge des Schreibens und Rechnens, „weil sie es lernen möchten“, so Wolff.

Schon längere Zeit gibt es im Naturkindergarten einmal in der Woche einen Englisch-Tag, bei dem eine Mitarbeiterin nur Englisch mit den Kleinen spricht. Englisch sei die zentrale Fremdsprache für die deutschen Schulkinder, so Wolff. Mit manchen Dingen müsse man aber nicht bis zur Schule warten.