HUDE - Wenn man das Lidicehaus in Bremen betritt, erwartet den Besucher zunächst „Krach“. Neun zusammengeschnittene Nationalhymnen dröhnen aus kleinen Lautsprechern. Die „Welthymne“ mit den Hymnen von den neun Ländern, die in Bremen den größten Ausländeranteil haben, stammt von der Huderin Neele Strudthoff. In mühsamer Kleinstarbeit hat sie die Hymnen von Amerika, Südafrika, Japan, Brasilien, Polen, der Türkei, Italien, China und schließlich Deutschland am Computer miteinander vermischt und so „verfremdet“. „Fremde Heimat“ lautet der Titel der Kunstausstellung, die die 23-Jährige mit 17 weiteren Schülern der Klasse 11.4 der Fachoberschule für Gestaltung der Wilhelm-Wagenfeld-Schule in Bremen auf die Beine gestellt hat. „Ob es die Arbeit mit dem Pinsel, der Nähnadel oder dem Computer war – wir merkten, wie viel Persönlichkeit wir in jedes einzelne Projekt legten und somit jeder seine ganz eigene Note in diese Ausstellung brachte“, erklärten Bo-Clark Schwarting und Nadine Lange während der Ausstellungseröffnung. Die beiden Mitschüler von Neele führten das Publikum gemeinsam mit Silvia Brockfeld, Lehrerin für Malerei an der Wilhelm-Wagenfeld -Schule, durch die Eröffnungszeremonie.

Neben individuellen Stickereien, Malereien, Fotografien, Klanginstallationen und Zeichnungen beeindruckte vor allem ein siebenminütiger Kurzfilm, den Neele gemeinsam mit neun Mitschülern erstellt hat. Interviews mit den Schülern wurden darin gezeigt. „Heimat ist für mich, wenn ich nach Hause komme und einfach mal nichts tun muss“, erzählt Neele im Film. „Heimat ist für mich, wenn ich mit meinem Freund zusammen sein kann“, sagt eine Mitschülerin. „Ausländer sind mir meistens deswegen fremd, weil ich sie nicht so gut einschätzen kann in ihrer Mimik und Gestik“, erklärt ein anderer Mitschüler. Dazwischen werden Sequenzen gezeigt, in denen die Perspektive meist auf den Kopf gestellt, die eigene Heimat fremdartig dargestellt ist. „Beeindruckend“, finden nicht nur die Besucher. Auch Lehrer und Mitschüler sind beeindruckt von der Offenheit, mit der die Interviewten über ihre Herkunft, Ängste und Vorurteile sprechen.

Insgesamt konnten Neele und ihre Klasse die rund 50 Besucher überzeugen. Das Ziel wurde erreicht: Die Menschen denken nach. Über sich selbst, über die ausländischen Mitbürger. Über Toleranz. Bis zum 18. November können auch die Huder die Bilder sehen: Montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr sind sie im Bremer Lidicehaus (Weg zum Krähenberg 33a) ausgestellt.