HUDE - Weites Land, rundherum nichts als Felder und endlose Straßen: Das hatte Nina Koletzki zuvor höchstens in einer Fernsehdokumentation gesehen. Doch plötzlich ist die 17-Jährige mittendrin, mitten im US-Bundesstaat Indiana
Ein Jahr verbrachte Nina Koletzki bei einer jungen Gastfamilie in dem kleinen Örtchen North Vernon, eine Stunde von Indianapolis entfernt. „Nini, Nini“, nannte ihr einjähriger Gastbruder die Huderin und freute sich jedes Mal, wenn die deutsche Schülerin endlich von der Schule kam. Nicht nur mit Bruder Evan verstand sich Nina Koletzki auf Anhieb, auch dank Gasteltern Ryan (34) und Abby (27) sowie dem im April geborenen Gabriel fühlte sie sich wohl. „Meine Gasteltern waren noch sehr jung und deshalb ziemlich locker“, erzählt Nina Koletzki. Treffen mit Freunden und Sportwettkämpfe waren für die 17-Jährige daher kein Problem.
Neue Freundin
Doch einfach war der Start für die 17-Jährige trotzdem nicht. Denn als sie im August 2009 mit der Austauschorganisation ICX in die USA reiste ahnte sie noch nicht, was sie in der Schule erwarten würde. „Die ersten Tage an der Jennings County High School waren echt schwer“, gibt die Huderin zu. Und auch für die erste Orientierung auf dem riesigen Gelände brauchte es einige Zeit. Kein Wunder bei 1600 Schülern in vier Jahrgängen.
Doch durch Zufall bekam die 17-Jährige Unterstützung: „Im Matheunterricht saß Jasmin neben mir. Zuerst wusste ich gar nicht, dass sie auch aus Deutschland kommt“, schmunzelt Nina Koletzki. Schnell wurden die beiden Mädchen Freundinnen. „Es ist einfach super, vor Ort jemanden zu haben, der die gleichen Erfahrungen macht“, erklärt Freundin Jasmin Paura, zu der die Huderin auch nach ihrer Zeit in den USA noch Kontakt hat. „Gerade in der Anfangszeit tat das wirklich gut.“ Zumal die beiden 17-Jährigen viele Ansichten teilen. „Es ist erstaunlich, wie viele meiner Vorurteile sich während meiner Zeit in Indiana bestätigt haben“, schmunzelt Nina Koletzki.
So ist die sonst so begeisterte Radfahrerin in den USA nur mit dem Auto unterwegs gewesen. „Fahrräder gab es dort einfach nicht“, erklärt die 17-Jährige. Auch eher gewöhnungsbedürftig war für die Schülerin das ständige Fast Food. „Ganz selten wurde in meiner Gastfamilie gekocht“, erinnert sich die Huderin. Kein Einzelfall, wie Freundin Jasmin bestätigt, in ihrer Familie sah es ähnlich aus.
Doch ein Ausgleich wurde schnell gefunden. Beide Mädchen meldeten sich beim Schulschwimmteam an. „Sport wird an den amerikanischen Schulen richtig hoch gehängt“, erklärt Nina Koletzki. Jeden Tag Training plus drei Wettkämpfe in der Woche waren daher keine Seltenheit, das Ganze zusätzlich zum achtstündigen Unterricht. „Man war zwar ganz schön kaputt, aber das ist ein tolles Angebot“, lobt die Huderin.
Je nach Saison wurden zudem auch Basketball und Tennis angeboten. „Tennis hab ich in den Wintermonaten ausprobiert.“ Doch nicht nur Spaß am Sport begeisterte die Mädchen, auch die Freundschaften im Team halfen, die anstrengenden Wochen durchzuhalten. „Wenn man am Wochenende nicht zu müde war, ist man ins Kino gegangen oder hat sich im Café getroffen“, so die 17-Jährige.
Schule trotz Abschlussfeier
Das wohl größte Ereignis des Jahres stand allerdings erst im Juli kurz vor der Abreise auf dem Programm: der Abschlussball. Aufwendige Kleider, Maniküre und Friseur sowie die richtige Partnerwahl – in Amerika bei diesem Fest ein Muss. „Der Aufwand für einen Abend ist wirklich unbeschreiblich“, kommt Nina Koletzki selbst heute noch nicht aus dem Staunen heraus. „Aber ein schöner Abschluss war es auf jeden Fall.“
Seit Ende Juli ist die 17-Jährige nun wieder in Hude. Und obwohl sie in Amerika bereits ihren Schulabschluss gefeiert hat, muss sie nach den Ferien wieder die Schulbank drücken. „Ich wiederhole die elfte Klasse“, so die Schülerin des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums, die sich sicher ist: „Vor allem den Schulsport werde ich hier in Deutschland vermissen.“
ist ein Ort in den Vereinigten Staaten von Amerika und liegt im Bundesstaat Indiana.
befindet sich in einem Dreieck zwischen den Städten Indianapolis, Cincinnati und Bloomington. Bis Indianapolis sind es 68 Meilen (109 Kilometer), eine Stunde Autofahrt. Rund 6000 Menschen leben in dem Ort North Vernon.
High School besuchen 1600 Schüler von der neunten bis zur zwölften Klasse.
von den amerikanischen Schulen stark unterstützt. An der High School in North Vernon gibt es u.a. die Möglichkeit, nach dem Unterricht am Schwimm- oder Basketballunterricht teilzunehmen. Mehrmals in der Woche wird trainiert. Dazu kommen Wettkämpfe. In den Wintermonaten wird Tennis angeboten.
