HUDE - Schweißnasse Hände, eine zittrige Stimme und weiche Knie – das alles kennt Sophie Tillack nicht, mittlerweile ist die Elfjährige ein Profi, was das Vorlesen angeht. Die Schülerin der Peter-Ustinov-Schule hat jetzt den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels gewonnen und fährt am 25. März zum Bezirksentscheid Weser-Ems nach Leer.

„Etwas nervös bin ich aber jetzt schon“, lächelt die Sechstklässlerin aus Altmoorhausen. Braucht sie eigentlich gar nicht, wenn es nach ihren Mitschülern geht. Denn die helfen ihr bei der Vorbereitung und geben ihr Tipps. „Ganz wichtig ist, ruhig zu bleiben und nicht zu schnell zu lesen“, erklärt Sophie. Etwa zwei Bücher „verschlingt“ sie pro Monat.

Kein Harry-Potter-Fan

Per Katalog wird immer eifrig Nachschub bestellt. Das Regal in ihrem Zimmer „platzt schon aus allen Nähten“. Der allseits geliebte Harry Potter ist aber nichts für sie. Am liebsten mag die Schülerin Pferdebücher und „auch schon mal was mit Liebe und so“.

Dass die Elfjährige ein echter Bücherwurm ist, hat sich auch beim Vorlesewettbewerb schnell heraus gestellt. Im November vergangenen Jahres wurde sie Klassenbeste, im Dezember dann zur Schulsiegerin der Realschule gekürt. Im Februar dann stand der Kreisentscheid im Wildeshauser Gymnasium an. Das sei schon eine Nummer größer gewesen als alle vorherigen Wettbewerbe, gibt Sophie zu, mit einem Einzeltisch gegenüber eines großen Publikums.

Sie hoffte, dass sie unter den zwölf Teilnehmern aus dem gesamten Landkreis als dritte oder vierte an den Start gehen muss. Doch dann bildete ihr Vortrag das Schlusslicht. „Das war ganz schön spannend“, sagt sie. Die Konkurrenz sei sehr gut gewesen. Doch Sophie begeisterte die Jury mit ihrer Passage aus „Bleib bei uns, Donald“ (Mary Hooper).

Pferdenärrin Sophie

Hauptperson ist eine Tierliebhaberin, die um ihre Schützlinge kämpft. „So wie ich“, sagt Sophie. Die kleine Pferdenärrin reitet, seitdem sie vier Jahre alt ist und hat ein eigenes Pflegepferd: „Sissy“. In der Pause, nach der die Sieger verkündet wurden, war Sophie nach eigenen Angaben so „kribbelig“, dass sie kaum etwas essen konnte: „Nur ein wenig Schokolade als Nervennahrung“. Glücklicherweise seien ihre Eltern, Großeltern und ihre Klassenlehrerin Jutta Hartrampf dabei gewesen. „Die hat mich in den Arm genommen und gedrückt, als ich gewonnen hatte“, freut sich Sophie.

Gut vorbereitet für den Bezirksentscheid ist sie bereits: Das Buch ist ausgewählt („Hexe hoch zu Ross“ von Thomas Brezina) und es wird fleißig geübt – gemeinsam mit den Mitschülern, die ihr alle die Daumen drücken.

„Nervennahrung“ wichtig

Die Mädchen zumindest – Jungs in dem Alter interessieren sich schließlich nicht für Mädchen, erklärt Sophie. Einen Wunsch hat sie bereits jetzt: „Ich hoffe, dass es in Leer wieder Knabbereien gibt. Nervenfutter braucht man immer“, grinst die Schülerin. Dann klappt es vielleicht auch mit der Qualifikation für die nächste Runde – den Landesentscheid am 19. Mai in Hannover.