Hude - Gebannt lauschen die Kinder den Worten von Kai Marquart. An einer Puppe erklärt der Dozent, was zu tun ist, wenn ein Verletzter am Boden liegt. Rund zwei Stunden lang erfuhren die Schüler der Klasse 3b der Grundschule Jägerstraße am Montagmorgen alles Wichtige zum Thema Erste Hilfe. Das Gelernte wurde sofort angewandt: „Sehr gut hat mir gefallen, dass wir den Rettungsgriff und die stabile Seitenlage sofort mit unseren Klassenkameraden üben konnten“, berichtet die achtjährige Helena.

Marquart und Klassenlehrerin Christel Neteler beobachteten die Kinder dabei und gaben Hilfestellung: „Das war jedoch gar nicht so sehr notwendig. Die Kinder haben überraschend vieles bereits richtig gemacht und waren sehr interessiert“, zog Marquart ein positives Fazit. Er ist Dozent bei der Firma Ventrio aus Oldenburg, die Fortbildungen im Bereich Gesundheitswesen anbietet.

Zum ersten Mal wurde ein solcher Kurs an einer Grundschule angeboten: „Beim Sommerfest vor den Ferien haben wir eine Tombola organisiert. Hauptgewinn war der Erste-Hilfe-Kurs für eine Klasse“, erklärt Neteler. Der Kontakt zur Firma kam durch die Mutter eines Kindes zustande, die dort arbeitet. „Je früher wir den Kindern die Erste Hilfe beibringen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann auch im Ernstfall Erste Hilfe leisten“, sagt Tim Binar, Geschäftsführer von Ventrio.

Der Meinung ist auch Neteler: „Wenn sich jemand auf dem Schulhof verletzt, fühlen sie sich mit ihrem jetzt erlangten Wissen ermutigt, zu helfen. Aus der Mentalität des Zuguckens muss eine Mentalität des Zupackens werden“, betont die Klassenlehrerin.

Die 19 Schüler lernten zu Beginn, wie ein Notruf abgesetzt wird und welche Nummer dafür gewählt werden muss. Im Anschluss daran ging es um die Rettungsgasse. Dabei berichteten die Kinder auch von ihren Erfahrungen, wenn sie auf dem Weg in den Urlaub mit ihren Eltern im Stau standen. Marquart erklärte anhand einer Präsentation mit Zeichnungen und kleinen Videos, was bei der Ersten Hilfe zu beachten ist.

Danach konnten die Kinder ihre Kenntnisse in der Praxis anwenden: Mit dem Rettungsgriff sollten sie einen Verletzten bergen. „Ich habe in den Ferien bereits an einer solchen Aktion teilgenommen und finde es toll, wenn ich anderen Menschen helfen kann“, berichtet Kian. Auch seinem Freund Jonah gefielen die zahlreichen praktischen Übungen.

Dass es den Kindern gefallen hat, zeigte sich vor allem am Ende, als die Schulglocke zur Pause klingelte. Die Schüler hörten weiter aufmerksam zu und es brach keine Unruhe aus. Die „verlorene“ Pausenzeit wurde jedoch selbstverständlich nachgeholt.

Nils Coordes
Nils Coordes Online-Redaktion