Hude - „Der Lindenhof soll ein Zuhause auf Zeit sein“, sagt Erzieherin Marlene Eichler. 20 Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 21 leben in drei verschiedenen Gruppen in der Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie. Rund um die Uhr werden sie hier betreut. „Jeder ist aus einem anderen Grund bei uns im Lindenhof und hat ein großes Päckchen zu tragen. Hier wollen wir ihnen ein stabiles Umfeld bieten“, sagt die 28-Jährige. So gebe es zum Beispiel gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge. In Vordergrund stehen jedoch alltägliche Dinge: Putzen, den Müll rausbringen, Schule, Hobbys. Alles, was eben dazugehört.
Der 23-jährige Marcel Lange lebte vier Jahre lang im Lindenhof. Zuerst zog er in die Kleinwohngruppe, in der er mit sechs Jugendlichen zusammen lebte. „Das Zusammenleben mit meinen Eltern hat damals nicht mehr geklappt. Deshalb bin ich mit meinem Bruder hierher gekommen“, sagt er. Das Leben am Lindenhof habe sich für ihn manchmal wie eine große Klassenfahrt angefühlt.
Irgendwann zog er in die Ambulante Wohngemeinschaft – in eine Wohnung direkt neben dem Lindenhof, wo er mit drei anderen lebte. „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten“, sagt Eichler.
Bis sie 21 sind, dürfen die Jugendlichen in der Einrichtung bleiben. Dann sollen sie auf eigenen Beinen stehen. Bei Marcel hat das gut geklappt. Er wird im Januar seine Ausbildung als Technischer Zeichner beenden. Seit mehr als drei Jahren lebt er nun alleine. Und auch das Verhältnis zu seiner Familie hat sich verbessert. Bis heute besucht er die ehemaligen Betreuer und den Lindenhof gerne.
Hammidallah Timouri lebte drei Jahre lang im Lindenhof. Im November 2015 kam er nach Deutschland – als minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan. Er kam alleine nach Deutschland. Wie es seiner Familie geht, weiß der 20-Jährige nicht. „Die Situation in Afghanistan wird immer schlimmer. Meine Familie vermisse ich sehr. Vor allem meine Mutter“, erzählt er. Er habe sich eine Zeit lang sehr verloren gefühlt, sagt Hammidallah. Im Lindenhof hat er ein neues Zuhause gefunden und durch das Umfeld und die anderen Jugendlichen schnell Deutsch gelernt.
„Am Anfang war ich sehr verwirrt. Ich habe die Betreuer nicht verstanden. Aber irgendwann habe ich so viel geredet, dass den anderen die Ohren schon wehtaten“, sagt Hammidallah. Vor zwei Monaten ist er ausgezogen. Er ist der erste junge Flüchtling, der aus einer Hilfseinrichtung in eine eigene Wohnung in Hude gezogen ist. „Die Behörden waren damit ganz schön überfordert, aber am Ende hat alles geklappt“, sagt Eichler. Bald beginnt er ein Einstiegsqualifizierungsjahr, ein Langzeitpraktikum, das als Brücke zur Ausbildung dienen soll. Er möchte Mediengestalter werden.
Am Sonntag, 9. September, startet das 2. Huder Entenrennen in der Berne. Ausgerichtet wird es vom Rotary Club Hude-Oldenburg. Dabei verkauft der Club gelbe Quietsche-Enten für fünf Euro. Der Erlös wird dem Huder Lindenhof gespendet für die Kinder- und Jugendhilfe. Den Erlös des Entenrennens möchte der Lindenhof für erlebnispädagogische Veranstaltungen wie Klettern oder Kanufahren nutzen. „Es geht darum, den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken“, sagt Eichler.
