HUDE - HUDE - Nach 51 Jahren organisierte die Huderin Ingrid Gehlhaar, geborene Milewski, jetzt ein Klassentreffen. Ihre Klasse war 1947 eingeschult und im Frühjahr 1955 nach acht Schuljahren entlassen worden. So trafen sich am Sonnabendnachmittag 17 ehemalige Huder Volksschüler bei Kaffee und Kuchen in Burgdorfs Gaststätte.
Die weiteste Anfahrt hatte Gerda Forster-Kunz. Sie reiste aus der Schweiz an. Andere kamen aus Worms, Wilhelmshaven, Rastede oder Wildeshausen. Die meisten Teilnehmer aber wohnen heute noch in der Gemeinde Hude.
Erschüttert zeigte sich Gehlhaar darüber, dass von den ehemals 35 Schülern der Klasse bereits sieben Männer verstorben sind.
Gemeinsam tauschten die Anwesenden Erinnerungen an die Schulzeit aus. Gehlhaar sprach von einer „wilden Zeit“. Nach dem Krieg waren viele Familien aus Ostpreußen oder Schlesien nach Westdeutschland geflüchtet, so auch Gehlhaars Familie. Flüchtlingskinder hätten es damals nicht einfach gehabt. Oft wohnte eine Familie mit sieben oder acht Kindern in einer Baracke. Die Erwachsenen – sogar die Lehrer – seien oft „böse“ zu den Flüchtlingsfamilien gewesen. Bedingt durch die vielen Flüchtlingskinder erteilten die Lehrer den Unterricht in zwei Schichten – vormittags und nachmittags. Gehlhaar erzählte, dass die Schüler 1947 mit einer Torfsode unter dem Arm in die Schule gegangen seien. Der Torf diente als Heizmaterial für den Klassenraum. Alle Kinder gingen zu Fuß zur Schule, keiner hatte damals ein Fahrrad.
Vier Jahre lang besuchten die Anwesenden die Volksschule Hude I im Klosterbezirk. Heute ist dort das Kreativzentrum der Volkshochschule untergebracht. Danach ging es zwei Jahre lang zur Volksschule Hude II in die Blumenstraße (heute Kindergarten). In den letzten beiden Schuljahren erhielten die damaligen Schüler Unterricht in der Volksschule Hohelucht.
Beim ersten Klassentreffen vor 20 Jahren war noch ihr Lehrer Steinke dabei gewesen. Doch leider verstarb er vor zwei Jahren.
Einmal in der Woche ging die ganze Klasse vom heutigen Kreativzentrum (beim Kloster) zu Fuß zur Volksschule Hohelucht, um dort zu duschen. „Das war doch wohl, damit wir keine Läuse bekommen würden,“ meinte Ingrid Gehlhaar. Dem stimmten alle Anwesenden lachend zu.
An dem Nachmittag wurde noch viel gelacht. Die Zeit damals sei ärmlich, aber auch schön gewesen, hieß es. Alle Anwesenden waren sich einig, dass in fünf Jahren wieder ein solches Klassentreffen stattfinden soll.
