HUDE/LANDKREIS - Schüler der achten und neunten Klassen feierten gestern mit dem Stück Premiere. Als tierischer Gast spielte Bearded-Collie-Hündin Amke mit.

von katrin bendel

HUDE/LANDKREIS - Am Ende saßen sie da und träumten: Alan und sein Freund Shaun. Davon, dass sie den bösen Joe Condello einfach in ein Flugzeug setzen und über dem Hauptquartier von Adolf Hitler abstürzen lassen.

Die Szene bildet den Schluss des Stückes „Geheime Freunde“ von Rudolf Herfurther, das eine Theater-AG des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums (GAG) in Oldenburg gestern zum ersten Mal aufführte.

Einfühlsam und ausdrucksstark erzählten die jungen Schauspieler, überwiegend aus den achten und neunten Klassen, die Geschichte des jüdischen Mädchens Naomi Kirschbaum (Corinna Lange aus Sandkrug), die mit ihrer Mutter während des Zweiten Weltkrieges aus Frankreich in die USA flieht und 1944 in Queens, New York, eine Bleibe findet. Noch immer ist sie ganz in ihrer Angst versunken, spricht mit niemandem und zerfetzt permanent Papier, weshalb sie gemeinhin für verrückt gehalten wird.

Alan (Julia Möhlmann aus Hude), ein Junge aus dem Wohnblock, erhält von seinen Eltern den Auftrag, sich um das Mädchen zu kümmern. Dabei steht ihm der Sinn doch viel mehr danach, mit seinem Freund Shaun Schlagball und mit Modellflugzeugen zu spielen. Außerdem gelten Jungs, die mit Mädchen spielen, bei seinen Freunden als „Weicheier“. Doch Naomi tut ihm Leid, und so versucht Alan Schritt für Schritt, sich ihr zu nähern und sie von ihrer Angst zu befreien. Er braucht dafür eine Menge Geduld und setzt sogar die Freundschaft mit Shaun aufs Spiel, weil er ihm den wahren Grund dafür, dass er kaum noch Zeit für ihn hat, verschweigt. Doch schließlich öffnet sich Naomi und erzählt ihm von dem Tag, an dem ihr Vater, ein jüdischer

Widerstandskämpfer, vor ihren Augen von der Gestapo erschlagen wurde. Weil sie davor noch auf Anweisung des Vaters geheime Pläne der Widerstandskämpfer zerreißen sollte, trägt sie nach wie vor den Gedanken mit sich, nicht genug davon vernichtet zu haben, und reißt noch immer ständig Papier in Fetzen.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem Naomi ihre Angst so weit besiegt hat, dass sie gemeinsam mit Alan zum ersten Mal zur Schule gehen kann, treffen die beiden „geheimen Freunde“ auf Joe Condello, der von einem Amerika nach nationalsozialistischem Vorbild träumt und seine Abneigung gegenüber den Juden bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck bringt. Es kommt zu einer Prügelei zwischen ihm und Alan, dem Shaun im letzten Moment aus der Patsche hilft. Naomi kann diesen Zwischenfall jedoch nicht verarbeiten. Sie spricht nicht mehr, fängt wieder an, Papier zu zerreißen und endet schließlich in einer psychiatrischen Anstalt.

Ein trauriger Schluss. Doch die gedrückte Stimmung unter den Zuschauern hielt nicht lange an. Galt es doch, jeden einzelnen Darsteller gebührend zu beklatschen – vor allem Bearded-CollieHündin Amke, die den Hund der Familie Kirschbaum „spielte“ und nun höchst aufmerksam in die Reihen blickte, als wüsste sie genau: Das ist mein Applaus.

Das Stück wird noch zweimal in der Aula des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums an der Schleusenstraße aufgeführt: am heutigen Mittwoch um 14 Uhr und am kommenden Freitag um 19 Uhr.