HUDE - Geduldig stehen die vier Ponys in der Boxengasse. Mit rotem Kopf versucht Schülerin Elena, zehn Jahre alt, zum dritten Mal den Hinterhuf von Wallach Robin festzuhalten. „Zupacken und einfach oben halten“, ruft ihr Anke Mangels zu. „Dann geht das.“

An diesem Donnerstag sind Elena und die anderen sechs Kinder der Reit-AG der Grundschule Jägerstraße aufgeregter als sonst. Zum ersten Mal werden sie heute allein durch die Halle reiten, ganz ohne Longe. Seit dem Sommer bereiten sie sich auf diesen Moment vor. „Die AG geht über ein ganzes Jahr. Erst einmal lernen die Kinder, wie man ein Pferd richtig führt, wie man es putzt und wie man den Sattel auflegt“, erzählt Reitlehrerin Anke Mangels vom Reitclub Hude, die den Kursus mit ihrer Mutter Silke Mangels leitet.

Angst hat niemand

Und die Theorie sitzt. Mit ordentlichen Strichen werden die Ponys von jeweils zwei Kindern abgestriegelt. Die Arbeit macht sichtlich Spaß. Angst vor den Pferden hat niemand. „Ich bin auch schon einmal geritten, auf dem Freimarkt“, erzählt der achtjährige Timo stolz.

Doch dann wird es ernst. In einer Reihe werden die Pferde in die Reithalle geführt. „Du bist ja gar nicht zickig, nur vielleicht beim Trab“, flüstert Sophie Stute Minnie noch beschwörend ins Ohr. Doch heute wird sowieso erst einmal im Schritttempo geritten. „Am Ende des Kurses machen die Kinder eine Prüfung zum Reiterabzeichen, dem Steckenpferd. Das ist so ähnlich wie das Seepferdchen beim Schwimmen“, sagt Anke Mangels. „Dafür müssen die Schüler im Schritt und Trab vorreiten und ein bisschen an der Longe galoppieren.“ Auch theoretisches Wissen gehöre dazu. Nach einem Jahr AG könnten die Kinder dann im Reitclub weiterüben. „Mit ihrer Erfahrung nehmen wir sie dann eher auf, sonst gibt es lange Wartelisten“, so Mangels.

Weitermachen wollen die Schüler auf jeden Fall. Doch vorher muss noch ein wenig geübt werden. Während manche noch mit dem Aufstieg aufs Pferd kämpfen, drehen andere schon ihre erste Runde durch die Halle.

Sattelfeste Schüler

„Wie geht’s denn jetzt los“, fragt sich Elena, doch da setzt das Pferd schon einen Huf vor den anderen. Vorsichtig bewegen sich die beiden durch die Halle, immer an der Wand entlang. „Schön hintereinander reiten“, ruft Anke Mangels, und zieht bei Pony Justin noch mal den Sattelgurt nach. In der Halle ist es nicht geheizt. „Ich habe drei Jacken an, dann geht es“, verrät Silke Mangels.

Alle Pferde haben sich nun in Bewegung gesetzt und laufen in einer mehr oder weniger ordentlichen Reihe durch den weichen Sand. Ihre kleinen Reiter spüren die Kälte schon lange nicht mehr: Das altbekannte Glück auf dem Rücken der Pferde hat sie voll erwischt.