HUDE - Berdan erkennt auf der anderen Straßenseite seine Kindergarten-Leiterin. „Hallo, Frau Jacobs!“, ruft der Sechsjährige. Für einen Moment sieht es so aus, als wollte er losrennen, ohne auf die querenden Radfahrer zu achten. Doch sein Nebenmann Keno hält ihn zurück. Gemeinsam warten beide Jungen, bis die Fußgängerampel an der Ecke Hohe Straße/Schützenstraße auf „Grün“ umspringt, schauen vor dem Überqueren der Fahrbahn noch einmal nach links und rechts und gehen auf Anke Jacobs zu. Die Leiterin des evangelischen Kindergartens „Regenbogeninsel“ macht auf ihrer Liste einen Haken. Berdan und Keno tragen auf ihren leuchtend gelben Warnwesten die Nummer 26 und 27 – sie sind die letzten der Vorschüler, die an diesem Vormittag ihr „Fußgänger-Diplom“ absolvieren.

Dazu hat Verkehrssicherheitsberater Willi Ihlo von der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land, einen Rundkurs durch den Huder Ortskern vorbereitet. Unterstützt wird der Polizeioberkommissar vom Huder Polizeibeamten Reinhard Garmatz und seinen beiden Kolleginnen Simone Hemken und Wiebke Möller, die die Kinder in dreiminütigen Abständen jeweils zu zweit vom Kindergarten aus losschicken. Unterwegs müssen die angehenden Schulkinder mit und ohne Querungshilfen Straßenseiten wechseln, auf Radfahrer und Ausfahrten achten. Auch durch den Bahnhofstunnel führt der Weg, den die Polizisten am Vortrag gemeinsam mit den Kindern auf einem Spaziergang erkundet und genau erklärt haben. An Gefahrenstellen stehen Erzieherinnen und Mütter, um die Kinder zu beobachten und – wenn nötig – ihnen zu helfen. „Es geht darum, dass die Kinder ein eigenes Gefahrenbewusstsein entwickeln“, erläutert Willi Ihlo. Ziel ist es, dass die Mädchen und Jungen ihren Schulweg auch alleine bewältigen können.

Belohnt werden die Kinder am Ende mit einem „Fußgänger-Diplom“ im Scheckkarten-Format, das in jede Hosentasche passt. Auf die Idee, das Präventionsteam der Polizei einzuladen, ist Kindergarten-Leiterin Anke Jacobs von einer Kollegin gebracht worden. Vorbereitet wurde die Aktion von den Erzieherinnen Tanja Thal und Petra Witte, die sich im Rahmen des „Brückenjahres“ besonders um die Schulanfänger kümmern. „Das werden wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen“, kündigt Anke Jacobs an.

Kindergärten, die Interesse an dieser Form der Verkehrserziehung haben, können sich an Willi Ihlo unter Telefon  042 21/15 59-152 wenden.