Hude - „Da, wo es geht, werden wir im Schatten bleiben“, verspricht Heike Köster ihren 22 Zuhörerinnen und Zuhörern, während sich noch alle bei Getränken unter einem Sonnenschirm befinden. Am strahlend blauen Himmel ist keine Wolke zu sehen, die Temperaturen kratzen an der 30-Grad-Marke. Heike Köster gehört zum Team des Seminarhauses Lichtblick, in dessen Garten sie für die Teilnehmer eine Kräuterführung geplant hat. „Keine Sorge, Grenzerfahrungen werden sie heute nicht machen, das lasse ich nicht zu“, beruhigt sie lachend die Besucher.

Durch die Sonne laufen alle zu dem bunt bewachsenen Blühstreifen, der auf einem Wall das Seminarhaus-Gelände begrenzt. „Das ist eine spezielle Saatenmischung, sie nennt sich Schwäbische-Alb. Die habe ich für meine liebe Kollegin ausgesucht, die aus dem Süden kommt“, sagt Heike Köster an Barbara Wurmsee gewandt, die Inhaberin des Seminarhauses. Zu Kösters Leidwesen sei es derzeit aber so trocken, dass einige Pflanzen zögerlich wachsen.

Sie zupft sie eine orangefarbene Ringelblume aus dem Blühstreifen. „Kennen Sie alle, oder?“, fragt sie die interessiert Zuhörenden. „Die Pflanze hat viele tolle Eigenschaften. Bekannt ist sie vor allem für ihre schmerzlindernde Wirkung bei Wunden und Gelenkbeschwerden. Doch die Ringelblume ist auch essbar“, klärt Köster auf.

Als nächstes weist die Fachfrau auf viele dicht gedrängte Schafgarben-Pflanzen hin. „Man nennt das Gewächs auch Venus-Augenbraue. Schafgarbe ist extrem blutstillend und geeignet für alle offenen Wunden“, weiß Köster. Die Pflanze könne aber auch bei Magenkrämpfen, Menstruationsbeschwerden und Kopfschmerzen helfen. Nicht nur über Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten von Kräutern und Heilpflanzen weiß Köster Bescheid. Sie gibt auch allgemeine Garten-Tipps: „Gut ist es immer, wenn Beete recht eng bepflanzt werden, so kann sich vor allem bei Trockenheit die Feuchtigkeit länger im Boden halten.“

Zu der Karde-Pflanze hat Heike Köster eine ganz persönliche Geschichte parat. Zwar sei diese Pflanze auch bei Insekten enorm beliebt, doch auch ihr selbst habe sie schon einmal richtig gut geholfen. „Die Karde steht im Verdacht, Borreliose, also eine Krankheit, die durch Zecken übertragen wird, heilen zu können. Zweimal in meinem Leben hatte ich Borreliose und mit der Karde habe ich es einmal in den Griff bekommen“, plaudert Köster aus dem Nähkästchen. Dafür habe sie die Karde klein gehackt und in Alkohol eingelegt einige Wochen lang ziehen lassen. „Morgens bin ich dann mit einem Löffel dieser Tinktur in den Tag gestartet“, so Köster. Kurz danach habe sie zu Beginn immer fürchterliche Kopfschmerzen bekommen. „Das ist normal. Der Kardesaft töten die Borrelien, die sich an der Kopfhaut angelagert haben.“ Von Tag zu Tag sei der Kopfschmerz nach der Einnahme des Saftes geringer geworden, bis auch der Arzt keine Borrelien mehr im Blut festgestellt habe.

Doch auch für Vögel hat die Karde einiges auf Lager: Ihre Blätter formen sich zu Kelchen, in denen in der Regel immer Wasser steht. „Manchmal sind die Kelche richtig voll, so dass Vögel sogar darin baden können. Gerade kann höchstens eine Hummel daran ihren Durst stillen“, sagt Köster mit einem Blick auf die derzeit nur sehr spärlich mit Wasser gefüllten Blätter der Karde.

Auch der Gemüsegarten des Seminarhauses ist gut gefüllt. Von großen Kohlrabi, über Salatköpfe, Gurken und Rote Beete bis hin zu Kartoffeln kann der Koch hier einiges finden. Die Seminarteilnehmer dürfen dabei nicht nur neidisch gucken, sondern auch selbst probieren. Denn im Anschluss an die Kräuterführung gibt es im Seminarhaus ein vielfältiges Menü: Mangold-Quiche, Salat mit Rauke, Knoblauch und vielen verschiedenen Kräutern, sowie einige Brotaufstriche. Durch den Raum geht immer wieder ein „mhhhh – ist das lecker“ oder ein „davon brauche ich das Rezept“. Kein Problem. Heike Köster gibt allen Teilnehmern auch noch einen großen Bund Petersilie mit nach Hause. „Die hat mehr Vitamin C als eine Zitrone, also guten Appetit.“