HUNTLOSEN - „Die Entscheidung, Rieke in der Grundschule zu lassen, war richtig“, freut sich die Leiterin der Huntloser Grundschule, Petra von Zelewski. Auch die Eltern des siebenjährigen Mädchens, Susanne und Günter Müntinga, sind froh, dass es so gut klappt. Rieke ist nämlich auf den Rollstuhl angewiesen. Als sie im Sommer 2008 in Huntlosen eingeschult wurde, hatte sich Schulleiterin Petra von Zelewski dafür stark gemacht. „Durch das gute Einvernehmen mit dem Landkreis, der Riekes Situation nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus psychologischer Sicht sah, wurde die Integrationshilfe bewilligt“, freut sich von Zelewski.
Denn ohne Hilfe geht es nicht. Seitdem wird Rieke von Hilke Müller betreut und erhält in der Schule individuelle Hilfestellung, so dass ihr aus ihrer körperlichen Behinderung kein Nachteil erwächst. Und auch das funktioniert gut.
Ab der Hüfte ist das Mädchen gelähmt, nachdem eine Operation am Herzen, die eigentlich nach Auskunft der Ärzte „eine einfache Sache“ sein sollte, für Komplikationen sorgte, wie Mutter Susanne Müntinga berichtete. Nerven wurden zerstört. Rieke konnte die Beine nicht mehr bewegen. Nach fünfeinhalb Monaten in der Reha in Bremen wurde Rieke am 17. Juli 2008 entlassen und im August gleich eingeschult.
Dass Rieke die „normale“ Schule besuchen darf, hat ihr gut getan. „Rieke blühte auf“, erzählt die Schulleiterin. Die anderen Kinder hätten Riekes Rollstuhl schnell vergessen. „Sie probierten selbst, wie es ist, damit zu fahren“, so von Zelewski. Die Mitschüler wissen mittlerweile, wann Rieke Hilfestellung benötigt. „Rieke wiederum hilft ihren Mitschülern. So ergänzen sich die Kinder gegenseitig in ihren Fähigkeiten.“
„Rieke hat großen Ehrgeiz entwickelt“, erzählt ihre Mutter. Wenn es nur irgendwie gehe, mache sie alles mit. Auch beim Sport. Mit ihrer Betreuerin Hilke geht sie beim Schwimmen mit ins Wasser. Und wenn die Mitschüler den „Hasenlauf“ machen, ist Rieke im Rollstuhl mit von der Partie. Für Schulleiterin Petra von Zelewski ist Rieke „ein Beispiel, das Mut macht, Kinder in ihrem sozialen Umfeld zu belassen – auch Kinder mit Behinderungen.“
Rieke kannte vor ihrer Einschulung bereits alle Mitschülerinnen und Mitschüler aus der Kindergartenzeit. Sie in ihrem vertrauten Umfeld zu belassen und sie in ihrer Persönlichkeit und Einmaligkeit so zu nehmen, wie sie ist und sie wie jedes andere Kind individuell zu fördern, „das ist gelebte Inklusion“, meint von Zelewski.
Riekes Eltern können das nur bestätigen. Gleichwohl bleibt die Sorge, wie es weitergeht. Freuen würde sich Susanne Müntinga über Kontakte zu Eltern, deren gleichaltrige Kinder ähnliche körperliche Probleme haben, um sich auszutauschen. Müntingas sind zu erreichen unter Tel. 04487/920 866.
