Kirchhatten - Mikroskope, Reagenzgläser, Bunsenbrenner und Schutzbrillen. In dem früher als Schulbibliothek genutzten Raum im Obergeschoss der Grundschule Kirchhatten fühlt sich Helga Einsiedel besonders wohl. Hier haben schon viele Grundschüler dank des ungewöhnlichen Engagements der Lehrerin erste Bekanntschaft mit der Chemie gemacht.
„Ich brenne für die Naturwissenschaften“, gibt die Pädagogin zu. Ihre Leistung ist jetzt von der Gesellschaft Deutscher Chemiker gewürdigt worden: die Fachgruppe Chemieunterricht verlieh ihr auf der Jahrestagung in Kiel den bundesweit für Lehrkräfte an Grundschulen ausgeschriebenen Preis.
Helga Einsiedel arbeitet seit 1984 an der Schule, seit 2002 arbeitet die an zwei Wochentagen dafür freigestellte Pädagogin im Chemol-Projekt der Uni Oldenburg mit. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Schülerlabors und arbeitet an der Fortbildung von Lehrern sowie Lehramtsstudenten mit – immer mit dem Ziel, ihnen das naturwissenschaftliche Experimentieren mit Grundschulkindern nahezubringen. Ein besonderes Anliegen ist es dabei, den meist weiblichen Lehrkräften die Angst vor dem Experimentalhandwerk zu nehmen.
Neben Studienseminaren in ganz Niedersachsen ist die in Sandkrug lebende Pädagogin sogar regelmäßig für die Uni Bozen (Italien) als Dozentin im Einsatz. In ihrer Dankesrede nach Empfang des Preises hat Helga Einsiedel an die Menschen erinnert, ohne die auch ihr Engagement nicht denkbar gewesen wäre: die Chemol-Gründer Prof. Dr. Walter Jansen, Hilke Fickenfrerichs, Renate Peper-Bienzeisler und ihre Förderin Dr. Ilka Parchmann.
Am 30. Januar 2015 steht allerdings ein Einschnitt bevor: Dann muss Helga Einsiedel aus dem Schuldienst ausscheiden. An der Uni wird sie weiter machen können. Wie es an der Grundschule weitergeht, das weiß selbst Rektorin Friederike von der Aa noch nicht genau. Die Hoffnung der beiden Frauen: Jemand aus dem Kollegium übernimmt im Reich der Mikroskope und Reagenzgläser. Eine größere Freude könnten die Kolleginnen Helga Einsiedel kaum machen.
