Bokel - „Ich bin im April 1950 in die Volksschule Bokel eingeschult worden. An meinen 1. Schultag kann ich mich noch gut erinnern. Einen neuen Schulranzen, damals nannten wir ihn Tornister, gab es für mich nicht. Meine älteren Geschwister hatten ihn schon benutzt.

Fast alle Schulanfänger hatten zu der Zeit gebrauchte Tornister. Wenn er einmal aus den Nähten platzte, wurde er zum Schuster gebracht, der ihn dann nähte. In den Tornister kamen eine Schiefertafel, Griffel und ein feuchter Schwamm zum Abwischen der Tafel. Der Schwamm war in einer Dose. Das war zunächst alles. Erst später kamen Fibel und Rechenbuch dazu.

Ich wollte nicht, dass meine Mutter mich am ersten Tag zur Schule brachte. Ich hatte Bedenken, dann als ,Memme’ angesehen und ausgelacht zu werden. So machte ich mich alleine zu Fuß, mit dem Tornister auf dem Rücken, auf den Weg. Ein Fahrrad besaß ich noch nicht. Fast alle Kinder kamen zu Fuß zur Schule. Dabei hatte ich es noch gut, da mein Weg von der Mansholter Straße bis zur Bokeler Schule nicht sehr weit war. Die Schüler aus Mansholt und Nuttel hatten es bedeutend weiter.

Bei der Schule angekommen, wurde ich vom Lehrer der Unterklasse, Heinz Vogelsang, empfangen. Er zeigte uns Schulanfängern den Weg in den Klassenraum. Hier wurden die Schuljahre 1 bis 4 unterrichtet. Unsere Plätze bekamen wir auf den vorderen Bänken, die ziemlich ramponiert aussahen. In den Pulttischen, die mit den Bänken verbunden waren, war für jeden Schüler ein Tintenfass eingelassen. Etliche Vorgänger hatten durch Einritzen und Schnitzen ihre Spuren an den Tischen hinterlassen.

Es gab dann noch eine Oberklasse für die Schuljahre 5 bis 8. Dort unterrichtete der Lehrer Steenken.

Mit mir wurden acht Mädchen und sieben Jungs eingeschult. Für Bokel war das eine große Anzahl, bedingt durch die vielen Flüchtlingsfamilien, die hier während des Krieges angekommen waren. Eine Schultüte gab es für mich nicht. Damit war es damals noch nicht so wie heute. Nur wenige von uns Abc-Schützen haben eine bekommen.

Unterricht gab es für uns am 1. Schultag nicht. Herr Vogelsang machte dann noch ein Foto von uns Schulanfängern. Dazu mussten wir uns vor dem Schuppen, in dem auch der Torf zum Heizen der Klassenräume lagerte, aufstellen. Wenn ich dieses Foto meinen Kindern und Enkelkindern zeige, können sie sich wegen unserer Kleidung ein Lachen nicht verkneifen. Die Jungs trugen kurze Hosen, im Sommer mit Knie- und im Winter mit langen Strümpfen, und hohe Schuhe. Die Mädchen hatten Kleider an und ebenfalls Knie- oder lange Strümpfe, dazu meistens ebenfalls hohe Schuhe.

Herr Vogelsang war ein begeisterter Fotograf. Ihm ist es zu verdanken, das man beim Erstellen des Bokeler Archivs auf viele Schulbilder, aber auch auf andere tolle Aufnahmen aus Bokel zurückgreifen konnte. An meine Schulzeit denke ich auch heute noch gerne zurück.“