Elsfleth - Eine vielleicht ganz normale Szene auf dem Schulhof, im Klassenzimmer oder auf dem Heimweg: eine kleine Pöbelei, ein bisschen Schubsen und Zerren, aus den ersten Handgreiflichkeiten wird eine handfeste Prügelei, bei der beide Kontrahenten am Boden rangeln. In der Turnhalle der Oberschule an der Wurpstraße ist dieser Anblick mit körperlichen Aggressionen zum Glück nur ein Rollenspiel, an dem sich Mädchen und Jungen der 5. Klassen beteiligen.

Dennoch sei diese gespielte Gewaltszene realitätsnah, weiß die Sozialpädagogin der Oberschule, Annika Sauermann. „Wenn, wie in den 5. Klassen neue Klassenverbände entstehen, kämpfen besonders die Jungen erst einmal um ihre Hackordnung“, so Annika Sauermann, „oft können sie ihre Kräfte, die sie gegen Schwächere einsetzen noch gar nicht einschätzen. Das Selbstbehauptungsseminar soll ihnen helfen, Grenzen zu setzen, es soll aber auch helfen, sich gegen Mobbing und körperliche Gewalt zu wehren.“

Im vergangenen Jahr fand dieser Selbstbehauptungskurs zum ersten Mal an der Oberschule statt, auch in diesem Jahr zeigt Präventionstrainer Norbert Schulze vom Familiensportclub „Yoshin Ryu“ den Kindern, dass bereits die Körpersprache darüber entscheiden kann, ob man eine Opferrolle annimmt oder mit „Kopf hoch, Schultern nach hinten und fester Sprache“ dem Kontrahenten den Wind aus den Segeln nimmt.

Das Selbstbehauptungsseminar soll Schülerinnen und Schüler nicht nur für Gefahrensituationen sensibilisieren, sondern auch die gewaltfreie Konfliktfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die Selbstachtung stärken, sowie Anerkennung von Grenzen und Regeln fördern.

„Wir haben uns im vergangenen Jahr eine Fortsetzung dieses Kurses gewünscht“, erzählt Annika Sauermann, „leider war das in diesem Jahr ohne die Finanzierung durch Sponsoren nicht möglich.“ Ihr Kontakt zum Lions-Club Elsfleth/Nordenham war von Erfolg gekrönt. Die Lions-Mitglieder spendeten 1200 Euro für den Kurs.

Lions-Mitglied Jürgen Sender und einige seiner Mitstreiter waren beim Kurs in der Turnhalle natürlich auch vor Ort. Sender: „Alle Welt beklagt die ausufernde Gewalt unter Jugendlichen, während die Politik die Mittel für Sozialarbeiter an Schulen kürzt oder ganz einstellt. Wir finden es wichtiger, Finanzmittel in Gewaltprävention zu investieren, als Unsummen für die Generalüberholung von Umgehungsstraßen einzusetzen. Im Kurs wird den Kindern ein Fundament geboten, auf das sie als Jugendliche zurückgreifen können.“