Donnerschwee - Man kommt in ein babylonisches Sprachgewirr, wenn man das internationale Jugendprojek­tehaus des Vereins Jugendkulturarbeit (Schlieffenstraße 9, alte Donnerschwee-Kaserne) betritt. Neben Deutsch sind Arabisch, Kurdisch, Farsi, Dari, Paschto, Spanisch, Polnisch und Russisch die Sprachen, die überwiegen. Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Ländern treffen aufeinander. „Was sie vereint, ist die Lust am Theaterspielen und das Interesse, im gegenseitigen Austausch Deutsch zu lernen“, weiß Jörg Kowollik von der Geschäftsführung des Vereins. Und deshalb wird in diesen Osterferien zum ersten Mal ein Feriensprachcamp angeboten.

In Kooperation mit der Jugendschutzstelle der Stadt und unterstützt durch die Stabstelle Integration sowie den Verein „Bildungschancen im Blick“ arbeiten in dieser Woche 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus der Jugendschutzstelle zusammen mit vier Jugendlichen des Jugendtheaters sowie drei Theaterpädagoginnen (Anna Lena Rode, Mareike Zedler, Sophia Gerdes) theaterpädagogisch. „Ziel ist es, ihre Sprachfertigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern und eine Szenenfolge zu entwickeln, die abschließend öffentlich präsentiert wird“ erklärt Jörg Kowollik.

Unter dem Titel „Erzähl mir was!“ stand die Erkundung von Alltagsgeschichten (zum Beispiel über die Bearbeitung von Sprichwörtern) der Teilnehmer im Vordergrund des Sprachcamps. Die theaterpädagogische Arbeit bot Methoden und Räume sich auszutauschen, Geschichten zu sammeln und gemeinsam in einen kreativen Prozess einzusteigen. „Eine Besonderheit des Feriensprachcamps ist sicherlich, dass die vier Jugendlichen des Jugendtheaters Rollentausch aus Kreyenbrück, das seit Jahren im Netzwerk des Vereins aktiv ist, bei dem Feriensprachcamp mitmachen“, betont Kowollik. Diese Jugendlichen brächten sich ehrenamtlich als Theaterpaten, Oldenburgpaten und Sprachpaten ein. Innerhalb des mehrfach ausgezeichneten dreijährigen Modellprojektes „Migration und Theater – Kinder und Jugendliche gestalten Vielfalt“ habe man laut Kowollik die Erfahrung gemacht, dass sich über das Theaterspielen die Erprobung und Anwendung der deutschen Sprache bei den Teilnehmern erheblich verbessern lässt.

„TransFairTheater – from Play to Speak“ ist der Titel eines parallel stattfindenden Feriensprachcamps in dem Jugendprojekte­haus. Jugendliche und junge Erwachsene der Berufsbildenden Schulen (BBS) Ammerland studieren hierbei mit 16 Schülern der Sprint-Klasse (Schulklasse des Sprach- und Integrationsprojektes des Niedersächsischen Kultusministeriums) ein Theaterstück ein.

Die Ergebnisse beider Camps werden an diesem Donnerstag bei öffentlich aufgeführt. Beginn ist um 18 Uhr.