Am Ende der vierten Klasse kann nach Angaben der DLRG nur jeder zweite Grundschüler aus Niedersachsen schwimmen. Wie ist die Situation in Nordenham?

Andreas PachalIn Nordenham, aber auch in Butjadingen und Stadland, sieht es zurzeit etwas besser aus – noch. Ich gehe davon aus, dass hier zwei von drei Kindern in diesem Alter schwimmen können. Aber die Abwärtsspirale hat längst eingesetzt. Vor 30 Jahren waren es bestimmt noch neun von zehn Kindern. Es gibt einen großen Anteil an schlechten und unsicheren Schwimmern, die weder die nötige Ausdauer noch die richtige Technik haben.

Wie fällt Ihre Prognose für die Zukunft aus?

Andreas PachalSollte das Nordbad schließen, wird es keine ausreichenden Schwimmzeiten mehr geben. Dann muss der Unterricht außerhalb der regulären Öffnungszeiten im Störtebekerbad stattfinden. Als Folge wird es noch weniger Schwimmer geben und damit letztlich auch weniger Ausbilder und Rettungsschwimmer.

Was unternimmt die DLRG dagegen?

Andreas PachalWir entwickeln derzeit Konzepte, wie wir mit weiterführenden Schulen kooperieren können. Unsere Helfer sind ehrenamtlich tätig, sie sind berufstätig und haben daher erst in den Nachmittagsstunden Zeit.

Bieten Sie auch Kurse für Nichtschwimmer an?

Andreas PachalWir trainieren sonnabends von 13 bis 15 Uhr im Nordbad. Wir teilen die Schwimmer dann in unterschiedliche Gruppen auf, darunter sind auch Anfänger oder solche, die Angst vor dem Wasser oder körperliche Defizite haben. Es kommen stets bis zu 40 Kinder an diesen Nachmittagen.

Und wie sieht es bei den Erwachsenen aus?

Andreas PachalFür sie gibt es einen Schwimmkursus ohne Kinder und das Programm „Erwachsene lernen besser schwimmen!“, immer montags ab 20.30 Uhr im Störtebekerbad. Aber niemand nimmt daran teil. Ich denke, dass die Hemmschwelle zu groß ist. Aber es muss sich niemand schämen, es kann ja nur besser werden. Und wir Rettungsschwimmer passen natürlich gut auf. Wie wichtig das ist, zeigt die Einsatzstatistik in Nordenham. Die Nordenhamer DLRG wurde in 2014 bereits zu vier Beinahe-Ertrinkungsunfällen gerufen.

Woran liegt es, dass es heutzutage so viele Nichtschwimmer gibt?

Andreas PachalMeiner Meinung nach unternehmen einige Eltern nicht alles, um ihren Kindern das Schwimmen beizubringen oder es ihnen überhaupt zu ermöglichen. Sie melden sich erst, wenn ihr Kind in die dritte Klasse kommt und in der Schule schwimmen soll, es aber noch nicht kann.