Nordenham - Wenn es um die Zukunft von Schulstandorten geht, befinden sich nicht nur Eltern, Schüler und Lehrer schnell im Alarmzustand, sondern auch die Kommunalpolitiker. Die Nordenhamer Kreistagsabgeordneten machen sich zunehmend Sorgen um den Erhalt des Berufsschulstandortes an der Pestalozzistraße. Hintergrund ist die demografische Entwicklung, die zu sinkenden Schülerzahlen und zu immer mehr Leerständen in den Gebäuden führt. Noch sieht der Landkreis Wesermarsch als Schulträger keinen akuten Handlungsbedarf, aber ab 2015 dürfte sich das ändern.
Nordenham ist seit der 1992 erfolgten Gründung der Berufsbildenden Schule (BBS) Wesermarsch einer von vier Berufsschulstandorten im Landkreis. Die weiteren befinden sich in Brake sowie in Elsfleth im Maritimen Kompetenzzentrum und am Rittersweg. Leiter der BBS Wesermarsch ist Artur Post.
Mit Blick auf die Standortdiskussion, die seit der 2012 erfolgten Verlegung der Gastronomie-Fachschule von Nordenham nach Brake verstärkt die Politik beschäftigt, hat Artur Post einen umfassenden Sachstandsbericht und eine Bedarfsprognose zusammengestellt. Mit diesem Papier befasst sich der Schulausschuss des Kreistages am Montag, 11. Februar, in einer öffentlichen Sitzung. Beginn ist um 16.30 Uhr in der Nordenhamer Berufsschule.
Noch keine Beschlüsse
Als zuständige Fachdienstleiterin beim Landkreis Wesermarsch betont Astrid Bäkermann, dass noch keine Beschlüsse gefasst werden sollen. Es gebe auch noch keine Tendenzen oder Empfehlungen der Verwaltung zur künftigen Struktur des Berufsschulangebotes. Ziel sei vielmehr, die jetzige Lage der Dinge zu betrachten und zu überlegen, welche Möglichkeiten für eine Neuordnung in Betracht kommen.
Artur Post hält sich in seinem Bericht ebenfalls mit Handlungsvorschlägen zurück. Gleichwohl macht er deutlich, dass sich der Kreistag bald mit der Thematik befassen muss, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nach seinen Angaben wird der demografische Wandel ab 2015 dazu führen, dass Räume an nahezu allen Berufsschulstandorten frei werden. Vor diesem Hintergrund müsse sich der Kreistag spätestens dann mit der Frage beschäftigen, ob es neue Nutzungsvarianten für die „freien Ressourcen“ gibt oder ob es zu einer Bündelung der Angebote in Brake kommen soll.
In einer Kostenberechnung hat Artur Post ermittelt, dass die BBS Wesermarsch jährlich mit einem finanziellen Aufwand von 9,215 Millionen Euro zu Buche schlagen. Den Großteil – vor allem die Personalkosten – übernimmt das Land Niedersachsen. Der Landkreis ist mit 2,515 Millionen Euro dabei. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Ausgaben für die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Immobilien.
Kostenberechnung
Der Standort Nordenham für sich betrachtet kostet im Jahr 1,383 Millionen Euro. Davon muss der Landkreis 370 000 Euro aufbringen. „Durch jeden Nebenstandort entstehen zusätzliche Kosten für das Gesamtsystem“, sagt Artur Post.
Mit 258 Schülern und 14 Klassen ist der Standort Nordenham nach Angaben des Schulleiters zurzeit „stabil und tragfähig“. Allerdings zeichnen sich nach seinen Worten auch einige Nachteile durch die in den vergangenen fünf Jahren vorgenommenen Umstrukturierungen der Ausbildungsanbote ab. Dazu zählt er unter anderem die Tatsache, dass es aufgrund der Schließung der einjährigen Berufsfachschule Wirtschaft (Einzelhandel) am Standort Nordenham keine Schulform für Hauptschüler mehr gibt. Diese Klientel muss nach Brake oder Elsfleth fahren. In dem Zusammenhang weist er darauf hin, dass sich die Mobilität der Berufsschüler grundsätzlich in Grenzen hält und sie die Angebote in Wohnortnähe bevorzugen.
