Ahlhorn - Eine Ganztagsschule mit Fünf-Tage-Woche, Blockunterricht, 40 Unterrichtsstunden wöchentlich, gemeinsamen Mittagessen und vielen Neigungsgruppen/Arbeitsgemeinschaften: Das hört sich nach einem alltäglichen Schulkonzept an. 1959 war das in der Bundesrepublik der Adenauer-Jahre aber noch ganz anders: Dieses Konzept war damals ein Experiment sondergleichen – und es spielte in Ahlhorn an der Dr.-Eckener-Straße. Ostern 1959 eröffnete in Ahlhorn das bundesweit erste staatlich anerkannte einzügige Gymnasium für Mädchen und Jungen als Tagesheimschule. Die Trägerschaft hatte die Evangelisch-Lutherische Kirche Oldenburg inne. Der Name: Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium.

Nach 18 Jahren endete dieser Modellversuch, die Kirche gab auf. Der nachhaltige Eindruck des Schullebens am alten Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium ist geblieben. An diesem Sonntag, 27. Dezember, ist das Ehemaligentreffen im Alten Posthaus (19 Uhr).

Wo von 1959 bis 1977 gelernt wurde, ist heutzutage die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, eine Fachklinik für die Behandlung abhängigkeitskranker Jugendlicher und junger Erwachsener.

Maßgeblich wurde das kirchliche Gymnasium von seinem Gründungsdirektor Dr. Rudolf Ahlers beeinflusst. „Sein ganzes Berufsleben war davon geprägt, Schule und Unterricht zu entwickeln und besser werden zu lassen, als Dozent, Lehrer, Schulleiter und zuletzt als Ausbilder am Studienseminar Hildesheim für Gymnasiallehrerinnen und -lehrer“, so Wolfgang Bleyer, einst Schüler in Ahlhorn und zuletzt Schulleiter in Harpstedt.

Eine der ersten Hausordnungen, die das Zusammenleben regelte, hatte Schulleiter Ahlers 1962 noch als Studienrat unterzeichnet. Als im Sommer 1967 der erste Jahrgang sein Abitur ablegte, war er Oberstudiendirektor „seiner“ Schule.

Er war offen für neue Ansätze und erledigte seine Aufgaben mit großer Umsicht. Schule war für Ahlers gelebte Vielfalt. In ihr war ihm Kommunikation, die Verständigung, das gegenseitige Verstehen und das gemeinsame Erleben am wichtigsten. Bleyer: „Er feierte gern und war stets auch zu Späßen mit Schülern oder Kollegen bereit – ein Wettlauf mit Schülern der Unterstufe, im Kapitänskostüm auf dem Faschingsfest oder das unvermittelte Anstimmen eines Liedchens im Kollegenkreis.“

Ahlers war es wichtig, Gelegenheiten zu schaffen, in denen Schüler ihre Mitschüler und Lehrer ihre Schüler über den Unterricht hinaus erfahren und verstehen konnten. Dazu zählten unter anderem der gemeinschaftliche Wochenbeginn jeden Montag in der Pausenhalle, die gemischten Tischgemeinschaften beim Mittagessen, die vierteljährlich wechselten und sich nicht selten zu Gesprächskreisen entwickelten, so dass es häufig schwer fiel, die „Tafelrunde“ aufzuheben. Neigungsgruppen, Gesellschaftsspiele, „Klönschnack“, Stillbeschäftigung oder einfach individuell entspannen: Die Schüler konnten selbst über ihre Teilnahme entscheiden.

In den 70er Jahren endete der Modellversuch in Ahlhorn. Die Kirche war nicht länger bereit, das Schulkonzept zu tragen. 1977 wurde das „alte“ Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium endgültig von der Kirche aufgegeben. Inzwischen hatte mit Beginn des Schuljahres 1971/72 das Gymnasium in Wildeshausen seinen Betrieb aufgenommen. Die Gemeinde Großenkneten entschloss sich, angesichts der „kirchlichen Abkehr“ ein eigenes Gymnasium zu gründen und die finanzielle Trägerschaft zu übernehmen. Es öffnete am 1. August 1975.

Zu Beginn des Schuljahres 2000/2001 konnten der Umzug in eigene Gebäude, das 25-jährige Bestehen des Gymnasiums in Ahlhorn und die Umbenennung der Schule gefeiert werden, die seitdem den Namen ihres Vorgängers trägt: Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium.

Ulrich Suttka
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