Friesoythe - Die Internet-Recherche etwa für Referate begleitet Schüler fast täglich. Dass ihnen unterschiedliche Suchergebnisse bei gleichen Suchbegriffen angezeigt werden können, verblüffte dann doch die Schüler der 7 c des Friesoyther Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG). Ärgerlich werde es dann, wenn der eine Schüler bessere Noten bekomme als der andere, weil Ersterem die besseren Suchergebnissen angezeigt wurden, sagte der Medienpädagoge Jens Wiemken.
Wiemken informierte am Dienstagvormittag die Schüler der siebten Klassen über die richtigen Umgangsweisen mit Internet und Smartphones. Der Vortrag war Teil der Präventionswoche (s. Infobox). Die Idee, die AMG-Schüler über Gefahren im Internet aufmerksam zu machen, kam von der Schülerschaft: Am AMG war, wie auch an vielen anderen Schulen im Landkreis, vor einiger Zeit „Sexting“ großes Thema: Schüler fotografieren sich dabei nackt und posten das Bild per „WhatsApp“, von wo aus das Bild schnell weiterverbreitet wird. „Wir haben das Thema im Schulvorstand angesprochen und überlegt, etwas dazu zu machen“, sagte Klara Holzenkamp von der Schülervertretung. Über Lehrerin Regina Hanekamp kam schließlich der Kontakt zum Diplom-Pädagogen Jens Wiemken zustande.
„Im Jahr eins nach Edward Snowden müssen wir sensibler für unsere Daten sein“, sagte Wiemken im Gespräch vor dem Unterricht.
Klassenraum der 7c: Wer alles kein „WhatsApp“ nutze, fragte Wiemken. Nur eine Hand schnellte in die Höhe. Er möchte bei den Schülern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der bekannte Messaging-Dienst keineswegs mit SMS zu vergleichen, sondern genauso öffentlich wie Facebook sei. Der Dienst könne großzügig auf die Daten des Handys zugreifen – „sogar auf das Mikrofon, mit dem ihr belauscht werden könntet“, warnte Wiemken die Siebtklässler.
Daten, die per „WhatsApp“ verschickt werden, würden auf einem Server in den USA gespeichert. Anders als bei alternativen Dienste wie Telegram, TextSecure oder Threema, die Wiemken empfahl. Wenn schon „WhatsApp“, dann mit einigen Regeln, forderte der Medienexperte: kein Spam mit belanglosem Inhalt in der Gruppe der Schulklasse, keine Fotos von jemandem verschicken, der kein „WhatsApp“ nutze, und ebenso wenig über ihn schreiben. Weitere Tipps hatte Wiemken parat: Webcams und Kameras in Handys sollten verdeckt werden, um Hackern, die die Kamera übernommen hätten, das Spiel zu verderben.
Vorsicht auch im Umgang mit der Suchmaschine Google mahnte Wiemken an: Der Internet-Riese fische Daten in großem Stil ab – zumal aus Google-Handys. Die nämlich, so Wiemken, würde der Internet-Riese rund 2400 Mal am Tag abfragen: So könnte auch ein Bewegungsprofil erstellt werden, das letztlich sogar Rückschlüsse zum Verdienst der Eltern zuließe. Statt Google also lieber Startpage.com nutzen, riet Wiemken.
Lehrerin Dr. Heike Pöpken zeigte sich im Gespräch „erschrocken über die Sorglosigkeit“, mit der einige Schüler im Internet agierten. Im nächsten Jahr könnte aus dieser Erkenntnis heraus deshalb unter Mitwirkung der Schülervertretung möglicherweise ein ganzer Aktionstag Internet veranstaltet werden.
