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Bildung Inklusion: Atens wird Schwerpunktschule

Jens Milde

Nordenham - Über Sinn und Unsinn der Inklusion gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen im Nordenhamer Stadtrat. Das ändert aber nichts daran, dass die Verwaltung die gesetzlichen Vorgaben zur Einführung der inklusiven Schule umsetzen muss. Inklusion bedeutet, dass künftig Schüler mit und ohne Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Die Stadt Nordenham muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass dies ab dem nächsten Schuljahr möglich ist. Der Jugend- und Bildungsausschuss hat sich in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch mit dem Thema beschäftigt. Und eine erste – einstimmige – Entscheidung getroffen: Die Grundschule Atens soll Schwerpunktschule werden.

Übergangszeit

Grundsätzlich muss die Verwaltung bis zum Jahre 2018 in allen neun Grundschulen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden können. In einer Übergangszeit hat die Stadt aber die Möglichkeit, eine Schwerpunktschule einzurichten und dort den inklusiven Unterricht zu konzentrieren. Die Grundschule Atens ist aus mehreren Gründen dafür prädestiniert. Sie liegt zentral und ist zudem die einzige ebenerdige Schule. Die Stadt kann die Barrierefreiheit relativ günstig realisieren. Der Leiter des Amtes für Bildung und Freizeit, Jens Freese, rechnet mit Kosten von rund 30 000 Euro für den Einbau von Rampen und einer Behinderten-Toilette.

Ab 2013 haben Eltern von Förderschülern die Wahl, ob sie ihr Kind auf die Grundschule schicken oder auf die Förderschule. Das gilt für die Förderschwerpunkte geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung sowie Sehen und Hören. Im Prinzip gilt das auch für die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Faktisch allerdings nicht: Denn das Schulgesetz sieht vor, dass der Förderschwerpunkt Lernen im Primarbereich aufgelöst werden soll. Das gilt auch für die Förderschule Am Siel. Ein Widerspruch, der selbst die Experten bei der Ausschusssitzung mit den Schultern zucken ließ. Die neue Rektorin der Förderschule Am Siel, Karen-Silke Seemann, erläuterte die gesetzlichen Vorgaben. Und sie versuchte, nach wie vor bestehende Ängste abzubauen.

Positive Erfahrungen

Dr. Tilman Kaethner (CDU) machte kein Geheimnis aus seinen Zweifeln am inklusiven Unterricht. Er befürchte Nachteile sowohl für die Kinder mit als auch für die ohne Förderbedarf. Nach den Worten von Karen-Silke Seemann gibt es bereits jetzt viele positive Erfahrungen mit integrativem Unterricht an den Schulen. Die Inklusion sei überfällig, sie bedeute keinesfalls, dass keine Binnendifferenzierung mehr stattfinde.

Der Schule Am Siel kommt durch die Einführung des inklusiven Unterrichts die Rolle als Versorgungszentrum für die sonderpädagogische Betreuung zu. Was dies genau bedeutet, stehe aber noch nicht fest. Karen-Silke Seemann geht davon aus, dass die Förderschule die Einsätze der Lehrer koordiniert, die künftig die Kollegen an den Grundschulen unterstützen. Geplant ist derzeit, dass für jede Klasse mit Förderschülern zwei zusätzliche Lehrerwochenstunden gewährt werden. „Ich gehe davon aus, dass es noch mehr Stunden geben wird und auch geben muss“, sagte Karen-Silke Seemann. Viele Einzelheiten seien aber noch nicht geklärt.

Auch für die Stadt ist die Einführung des inklusiven Unterrichts noch eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Noch ist völlig unklar, wie sich Eltern von Förderschülern entscheiden werden. Eine Bedarfsermittlung sei schwierig, so Jens Freese. Auch weil bei vielen Kindern, die im kommenden Jahr eingeschult werden, der Förderbedarf noch gar nicht ermittelt ist.

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