Cloppenburg - Auch Kinder mit Sprachproblemen oder ganz ohne Deutschkenntnisse, traumatisierte Flüchtlingskinder, Schüler mit emotionalen und sozialen Auffälligkeiten sowie gesundheitlichen Einschränkungen müssen in den Inklusionsprozess eingebunden werden. Diese Forderung hat am Montag Franz-Josef Meyer, Vorstandsmitglied des Verbands Bildung und Erziehung (VBE/Bezirk Oldenburg-Ostfriesland), beim Grundschultag in Cloppenburg aufgestellt. Zur mittlerweile 20. Auflage, die unter dem Motto „Umgang mit Vielfalt in Kita und Grundschule“ stand, waren rund 150 Lehrer und Erzieher ins Kreishaus gekommen.

Bislang – so Meyer weiter – sei lediglich über die Integration von Kindern mit festgestelltem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf diskutiert worden. „Aber haben andererseits nicht auch Kinder mit besonderen Begabungen Anspruch auf eine optimale Förderung und Unterstützung?“ Der Umgang mit Vielfalt – glaubt Meyer – brauche einen Unterricht mit veränderten Ansprüchen und Herausforderungen, aber auch mit Chancen.

Die Frage nach schulischen Veränderungen stand auch im Mittelpunkt des Hauptreferats von Professor Dr. Bettina Arnrhein (Universität Hildesheim), der unter dem Titel „Inklusion in Bildungseinrichtungen – Chancen interprofessioneller Kooperation“ stand. Die künftige Heterogenität sei eng mit veränderten Anforderungen an den Lehrerberuf verbunden.

Eine sinnvolle Umsetzung des Inklusionsgedankens – so die VBE-Landesvorsitzende Gitta Franke Zöllmer – scheitere nicht am Willen der Politik und der Lehrer. Vielmehr mangele es trotz aller Anstrengungen an der nötigen Personalstärke.

Erhebliche Anstrengungen attestierte der Landesvorsitzende des Verbands Sonderpädagogik, Reinhard Fricke, der rot-grünen Landesregierung in diesem Bereich. Diese wolle allein für die personelle Ausstattung der Schulen bis 2018 rund 448 Millionen Euro ausgeben. Die Förderschulen dürften in der Inklusionsdiskussion keiner Abschaffungsdebatte unterliegen, vielmehr müsse man über deren Umgestaltung reden.

Über den Inklusionsprozess in der Praxis berichtete Lehrerin Petra Böhlken. An der Westersteder Förderschule Lernen an der Goethestraße gebe es nur noch 90 Schüler. Sie selbst sei nur noch mit einer Stunde direkt an der Schule vertreten, ansonsten immer unterwegs.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland