Die Grünen wollen die Schulstruktur ändern. Dienstagabend hat Landtagsabgeordnete Ina Korter (Nordenham) das Programm in Bookholzberg vorgestellt.
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Von markus minten
Frage:
Die Grünen wollen eine Basisschule einführen. Ist das eine längere Grundschule oder eine andere Bezeichnung für Gesamtschule?
Korter:
Weder noch. Die Basisschule ist eine gemeinsame Schule für Kinder von Klasse 1 bis 9. Das heißt, Förderschüler werden nicht aussortiert, es findet keine Trennung nach Klasse 4 in Hauptschule, Realschule und Gymnasium statt. Alle Kinder lernen leistungsgemischt zusammen und auch zum Teil altersgemischt. Wir haben unsere Basisschule aufgeteilt in den ersten bis dritten Lernjahrgang, den vierten bis sechsten und den siebten bis neunten. Das heißt, die Schule muss nicht unbedingt in einem Gebäude sein. Man kann sich auch überlegen, dezentral auf dem Dorf die erste Stufe vorzuhalten, damit wir im Zuge des demografischen Wandels nicht so viele Schulstandorte für die Kleinen verlieren.
Frage:
Die Gesellschaft wird immer leistungsorientierter, kann ein leistungsgemischtes Lernen da die Zukunft sein?
Korter:
Die Leistungsgemischtheit ist das Interessanteste und Wichtigste für uns. Weil die heterogene Gruppe den besten Leistungsanreiz und die beste Förderung für alle bringt. Die Schüler werden nach ihrem individuellen Lerntempo gefördert. Das kann man auch jetzt schon mit innerer Differenzierung machen, wo man für jedes Kind einzelne Lehrpläne macht, und es arbeitet seine Pläne ab. Man kann aber auch verschiedene Anforderungsniveaus anbieten, indem man sagt, ein Mindestniveau müssen alle schaffen, und aus den anderen Niveaus können sich Schüler andere Aufgaben aussuchen.
Frage:
Sie teilen nicht die Befürchtungen, dass schwache Schüler das Niveau einer ganzen Klasse drücken?
Korter:
Nein, weil wir nicht von einem Niveau einer Klasse ausgehen. Wir haben die Jahrgangsstufe eins bis drei. Und jeder hat seine individuelle Lernplanung und arbeitet viel selbstständiger. Dadurch, dass man auch größere, ältere und fittere Kinder mit in der Stufe hat, hat man ganz andere Lernanreize. Wenn Kinder von anderen etwas hören, wollen sie mithalten, und es gibt viel mehr Lernfortschritte. Und für besondere Begabungen werden besondere Angebote gemacht.
Frage:
Es gibt heute schon Probleme bei der Finanzierung besonders des Ganztagsschulbereichs. Wie viel teurer wird Ihr Schulsystem werden?
Korter:
Das können wir noch nicht sagen. Wir gehen davon aus, dass es vielleicht etwas teurer werden könnte. Wir gehen aber davon aus, dass die Viergliedrigkeit mit Förder-, Haupt- und Realschule sowie Gymnasium die teuerste Schulform ist. Es wird für Kommunen als Schulträger auch finanziell interessant werden, ob es nicht günstiger ist, zusammengefasste Schulformen zu haben, mit dezentralen kleinen Stellen für Grundschüler. Derzeit haben wir durch Sitzenbleiben im Jahr 3,7 Milliarden Euro Kosten bundesweit und das selbe nocheinmal für die Nachqualifizierung Jugendlicher ohne Abschluss. Wenn wir dieses Geld in die frühkindliche Bildung im Kindergarten und in eine Schule bis Klasse neun als Ganztagsschule stecken, dann haben wir die Mittel effizienter eingesetzt.