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Aufgrund einer neuen Auslegung des Schulgesetzes besteht Sorge, dass das Ganderkeseer Gymnasium ausblutet. Fragen dazu an Wilfried Fürup, Leiter des Kreis-Schulamtes.
Von Karsten Kolloge
Frage:
Herr Fürup, wie viele Eltern aus Ganderkesee beantragen eine Ausnahmegenehmigung, um ihre Kinder zu Gymnasien in Delmenhorst schicken zu können?
Fürup:
Nach unseren Unterlagen haben im letzten Schuljahr rund 30 Schüler aus der Gemeinde Ganderkesee in Delmenhorst Gymnasien besucht. Dabei handelt es sich um Schüler aller Schuljahrgänge bis Klasse 10.
Frage:
Mit der Einstufung des Gymnasiums als Halbtagsschule soll sich jetzt ein neues Schlupfloch aufgetan haben. Wie verhält es sich damit?
Fürup:
Hierbei handelt es sich um die rein formaljuristische Auslegung, die dem Landkreis seitens der Landesschulbehörde mitgeteilt worden ist. Da danach nur zwischen Ganztags- und Halbtagsschule unterschieden wird, hängt die Halbtagsschule mit Ganztagsschulzug (wie in Ganderkesee) sozusagen in der Luft – mit der Auswirkung, dass ein Besuch einer Ganztagsschule wie des Gymnasiums an der Willmsstraße ermöglicht werden könnte. Dies ist für den Landkreis nicht nachvollziehbar. Denn für Schüler, die eine Ganztagsbeschulung wünschen, wird diese auch beim Gymnasium Ganderkesee angeboten.
Frage:
Heißt das, dass Eltern, die heute eine Ausnahmegenehmigung zum Wechsel nach Delmenhorst mit dem Hinweis auf die in Ganderkesee fehlende Ganztagsschule begründen, damit rechnen können, dass das Willms-Gymnasium ihr Kind aufnimmt?
Fürup:
Nur bedingt, da nach uns vorliegenden Informationen die bisherige formaljuristische Auslegung vom Kultusministerium noch einmal überprüft werden soll. Die Schulleitung des Willms-Gymnasiums wird sicherlich erst das Ergebnis dieser Überprüfung abwarten.
Frage:
Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?
Fürup:
Ich hoffe, dass das Kultusministerium sich bei seiner Überprüfung vor Augen führt, dass keinem Elternteil verständlich gemacht werden kann, warum bei einer gewünschten Ganztagsbeschulung diese nur bei einer Ganztagsschule möglich ist, nicht jedoch bei einer Halbtagsschule mit Ganztagsschulzug.
Frage:
Bislang gab es noch ein zweites Schlupfloch für Eltern, die ihre Kinder nach Delmenhorst wechseln lassen wollten – nämlich den in Ganderkesee nicht vorhandenen Musikzweig.
Fürup:
Das Gymnasium Ganderkesee hat aufgrund der Nachfrage mit dem Schuljahr 2006/07 ebenfalls ein Musikprofil eingerichtet. Damit ist es dem Max-Planck-Gymnasium Delmenhorst gleichgestellt, so dass die bisherige Ausnahmegründe für den Besuch des Planck-Gymnasiums künftig nicht mehr vorliegen.