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INTERVIEW „Eltern müssen für Kinder entscheiden“

Dr. Jörg Steitz-Kallenbach, Koordinator für die Sekundarstufe I, hilft bei der Entscheidung. Latein und Französisch stehen zur Wahl.

von Karoline Schulz

Frage:

Herr Dr. Steitz-Kallenbach, wovon sollten Schüler und Eltern ihre Wahl der zweiten Fremdsprache – nach Englisch – abhängig machen?

Steitz-Kallenbach:

Zunächst einmal sind bei der Entscheidung die Eltern in der Verantwortung. Den Schülern fehlt, wenn in der vierten Klasse die Trendentscheidung für Latein oder Französisch getroffen wird, noch der notwendige Weitblick. Die Entscheidung sollte zunächst nach individuellen Kriterien erfolgen: Wenn das Kind in der ersten Fremdsprache bereits gerne kommuniziert und auch bei der fremdsprachlichen Lautartikulation keine Schwierigkeiten hat, dann wäre sicher Französisch die richtige Entscheidung.

Frage:

Und welche Faktoren sprechen für Latein? Die Sprache ist ja immer dem Vorwurf ausgesetzt, eine „tote Sprache“ zu sein, weil der kommunikative Aspekt fehlt.

Steitz-Kallenbach:

Wer sich bereits mit dem Sprechen der ersten Fremdsprache schwer tut, jedoch keine Probleme im logischen Denken, im Erfassen und Verstehen von Strukturen hat, für den könnte Latein die bessere Wahl darstellen. Latein ist kein reines Sprachenlernfach. Es öffnet den Zugang zur Basis der europäischen Kultur, insofern als auch Disziplinen wie Philosophie, Geschichte und Kulturwissenschaft eine Rolle spielen. Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie eine langfristige Entscheidung treffen, und überlegen, welche Bildungsperspektiven sie für ihr Kind möchten.

Frage:

Auch die Zulassungsvoraussetzungen zu bestimmten Studiengängen schreiben Lateinkenntnisse vor.

Steitz-Kallenbach:

Richtig. Neben den individuellen Gründen, sich für Latein zu entscheiden, darf man auch die formalen nicht außer Acht lassen. Bei vielen höheren akademischen Graden sind Latinumsqualifikationen erforderlich. Zwar können diese teilweise auch an der Universität nachgeholt werden – dann jedoch mit erheblich höherem Aufwand.

Frage:

Wie ist die Relation von Französisch- zu Lateinschülern am Gymnasium Ganderkesee? Haben Sie einen Trend zu verzeichnen?

Steitz-Kallenbach:

Derzeit verhält es sich etwa 60 zu 40 Prozent. Diese Zahlen sind am Gymnasium Ganderkesee traditionell ziemlich stabil, der Bundestrend schlägt leicht in Richtung Latein aus.

Frage:

Könnte nicht Probeunterricht Schülern bei der Entscheidungsfindung helfen?

Steitz-Kallenbach:

Probeunterricht stehen wir skeptisch gegenüber, denn dabei erhalten die Kinder nur einen momentanen Einblick in die Sprache.

Frage:

Welche Sprachlernangebote machen Sie über Englisch, Französisch und Latein hinaus? Und wo bestehen Wahlmöglichkeiten?

Steitz-Kallenabach:

Mit Englisch wird ja schon in der Grundschule begonnen. Bei der Anmeldung am Gymnasium treffen die Eltern die Trendentscheidung für Französisch oder Latein, die über die Klassenzusammenstellung entscheidet. Endgültig gewählt wird dann am Ende von Klasse 5. Eine dritte Fremdsprache, Französisch oder Latein, kann dann optional ab Klasse 7 gelernt werden. Von dieser Möglichkeit machen aber aufgrund der Schulzeitverkürzung und der höheren Belastung kaum Schüler Gebrauch. Ab der zehnten Jahrgangsstufe bieten wir auch Italienisch an.
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