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Die Lehrerin trainiert mit Mobbingopfern das richtige Verhalten in kritischen Situationen. Am 18. April wird sie um 18.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums zum Thema sprechen.
stets Ansprechbar
Als Vertrauenslehrerin
hat Elke Meer eine spezielle Ausbildung. Zudem bildet sie sich laufend fort und steht regelmäßig in Kontakt mit einem Delmenhorster Schulpsychologen.
Dort kann
sie schwierige Fälle schildern und sich von den Fachleuten beraten lassen.
Von Christian Bartsch
Frage:
Frau Meer, gibt es für den englischen Begriff „Mobbing“ eigentlich ein deutsches Wort?
Meer:
So richtig eigentlich nicht. Ich würde aber sagen, dass der Begriff Ausgrenzung der Sache ziemlich nahe kommt. Denn darum geht es: Um die monatelange Ausgrenzung eines Einzelnen durch abfällige Bemerkungen und erniedrigendes Verhalten anderer.
Frage:
Wer sind beim klassischen Mobbingfall die Täter?
Meer:
Sehr oft sind es Gruppen, die gegen eine Einzelperson vorgehen. Meine Erfahrung ist zudem, dass jeweils das gleiche Geschlecht gemobbt wird – also Mädchen suchen sich Mädchen als Opfer und Jungs eben Jungs.
Frage:
Ist Mobbing eher bei jungen oder älteren Schülern ein Problem?
Meer:
Die Schwerpunkt liegt bei den 5. bis 8. Klassen. Aus der Oberstufe ist mir noch kein Fall bekannt.
Frage:
Wie helfen Sie den Schülern, die zu ihnen kommen?
Meer:
Mit einem Verhaltenstraining. In fast allen Fällen hört das Mobbing dann schlagartig auf.
Frage:
Wie kommt das?
Meer:
Der Beweggrund für Mobbing ist, dass die Täter eigene Schwächen kompensieren wollen. Sie wachsen innerlich, wenn sie andere am Boden haben.
Frage:
Was bringen Sie den Opfern bei?
Meer:
Bei dem Verhaltenstraining geht es hauptsächlich um Körpersprache. Da trainieren wir, möglichst viel Dominanz auszustrahlen und sich nicht klein zu machen.
Frage:
Sich mit Worten zu wehren ist also gar nicht so bedeutend?
Meer:
Das fällt meistens sehr viel schwerer. Wenn es durchdringen soll, müssen es kurze Botschaften sein. Langes Erklären bringt fast nie was.
Frage:
Wie erklären Sie sich den Erfolg dieser Methode?
Meer:
Wenn die Opfer nicht mehr als erniedrigte Wesen wahrgenommen werden, verlieren die Täter sehr schnell die Lust an der ganzen Sache. Das reicht aus.
Frage:
Müsste man nicht eigentlich eher mit den Tätern arbeiten – die verhalten sich ja schließlich falsch?
Meer:
Müsste man sicher, doch die Beweislage ist meistens schwierig. Es wird ja nicht gemobbt, wenn ein Lehrer daneben steht. Das geschieht ohne Zeugen. Die Arbeit mit den Opfern ist jedoch wichtig, damit sie künftig auf ähnliche Situationen reagieren können.
Frage:
Wie sieht das Training praktisch aus?
Meer:
Die Schüler berichten mir von der Situation, dann spielen wir sie nach. Ich gebe dabei erstmal die Täterin, dann zeige ich, wie ich mich erfolgreich wehren würde. Die Schüler spielen das nach, üben das regelrecht ein.
Frage:
Gibt es mehr Mobbing als früher?
Meer:
Früher gab es solche Fälle natürlich auch, das hieß nur anders. Mittlerweile wird oft jeglicher Konflikt mit diesem Begriff belegt. Das ist natürlich falsch. Es kommt aber auch vor, dass sich hinter Mobbing auch persönliche oder familiäre Probleme verstecken.
Frage:
Und wie merken Sie jeweils, worum es wirklich geht?
Meer:
Wenn mir die Klassenlehrer erzählen, dass das Kind gut in die Gruppe eingebunden ist und die Eltern ablehnen, dass ihr Kind bei mir das Verhaltenstraining besucht, ist das aus meiner Sicht ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass es sich nicht um Mobbing handelt.