Das Kultusministerium will nach Kritik am Turbo-Abi die Stundenpläne korrigieren. Die NWZ sprach dazu mit Reinhard Komar, dem Vorsitzenden des Elternrats am Gymnasium.
Von Jens Milde
NWZ:
Herr Komar, Kultusminister Bernd Busemann will die Gymnasiasten entlasten. Ist das in Ihrem Sinne?Komar:
Ja, selbstverständlich, Schulpolitik muss immer bilanzieren: Was hat noch Geltung? Was wird sinnvoll gebraucht, damit junge Menschen in eine Zukunft wachsen können, die für sie und alle gut ist? Wie können die Aktivitäten im Positiven und Produktiven entfaltet werden? Was muss für das einzelne Talent getan werden? Und wie können wir möglichst viele Jungen und Mädchen mitnehmen, ihnen Zugang verschaffen zu der überbordenden Fülle und Vielfalt an Bildungsgütern und Informationen?NWZ:
Welche Probleme hat das Abitur nach zwölf Jahren Ihrer Einschätzung nach verursacht?Komar:
Das Abitur nach zwölf Jahren wird Probleme und Chancen verursachen, wie schon das Abitur nach 13 Jahren Probleme und Chancen bewirkt hat. Die bestehenden Probleme treten nun jedoch deutlicher hervor: Die Chancen derjenigen Schüler, die eine längere Zeit brauchen und mehr Unterstützung, werden minimiert. Aber auch hier kommt es nicht allein auf Menge, Dauer und Geschwindigkeit von Unterricht, sondern auf die Qualität von Schule, Unterricht und Bildung an – im inhaltlichen wie im sozialen Sinne. Lernen lernen und sozial und menschlich kompetent zu werden, ist die erste Grundlage einer nachhaltigen Bildung.NWZ:
Sind die Stundenpläne am Gymnasium tatsächlich zu voll?Komar:
Ja, wenn man so weiter macht wie bisher, was keiner ernsthaft wollen kann. Noch mehr Stoff in kürzerem Zeittakt hat weder etwas mit besserer Pädagogik oder Bildungsökonomie zu tun, sondern ist schlichtweg unsozial, weil es Bildungswillige und Bildungsfähige demotiviert, erniedrigt und schließlich verdrängt.Nein, wenn man den Kanon des Lernens verändert, mehr fächerübergreifend und fächerintegrierend Lernprozesse auch in Arbeitsgruppen organisiert.
