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Friesland
– Als eines von landesweit 325 Modellprojekten zum Brückenjahr erhalten Grundschule und Kindergarten Tettens zwei Jahre lang Landesmittel zur Umsetzung. Fragen zum Brückenjahr an Schulleiterin Katrin Thiesen und Kindergartenleiter Detlev Uwe Fleischer.
Von Melanie Hanz
Frage:
Was ist Ziel des Brückenjahrs?
Fleischer:
Im Brückenjahr arbeiten Kindergarten und Grundschule noch mehr Hand in Hand, um die Kinder gezielt auf den Übergang in die Schule vorzubereiten.
Thiesen:
Dabei geht es nicht darum, dass die Kinder schon fertig in die Schule kommen. Vielmehr ist Ziel, die Entwicklung eines jeden Kindes noch besser zu begleiten.
Frage: Kindergarten und Grundschule Tettens haben zuvor schon intensiv zusammengearbeitet – was ändert sich jetzt?
Thiesen:
Was wir immer schon gemacht haben, waren Schulbesuche und gemeinsame Feste. Im Brückenjahr geht es darum, die Zusammenarbeit inhaltlich zu vertiefen.
Fleischer:
Dazu haben Kindergarten-Team und Kollegium gemeinsame Fortbildungen besucht und sich über die Arbeit ausgetauscht. Denn darin gibt es Unterschiede.
Frage:
Wie wird sich das für die Kinder darstellen?
Thiesen:
Wir werden gemeinsamen Sportunterricht und eine Lernwerkstatt für Kindergarten- und Schulkinder anbieten. Darin wird gemeinsam geforscht und experimentiert. Dabei werden sich die Kinder besser kennen lernen und das gemeinsame Lernen üben.
Fleischer:
Und Lehrer und Erzieher können erkennen, wo und wie die Kindergartenkinder unterstützt werden können – zum Beispiel beim Erwerb der Schriftsprache.
Frage: Bedeutet das, die Kinder können nach dem Brückenjahr lesen und schreiben?
Fleischer:
Wir können Kindern nicht verbieten, sich etwas anzueignen. Kinder sind Entdecker, das muss gefördert werden. Aber Aufgabe des Kindergartens ist nicht, Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen. Ihnen soll vielmehr ermöglicht werden, ihrem Forscherdrang und ihrer natürlichen Neugierde nachzugehen.
Thiesen:
Wichtig ist, dass Kindern Lernangebote gemacht werden und sie gefördert werden. Das soll das Brückenjahr leisten.
Frage:
Was ist mit Kindern, die keinen Kindergarten besuchen?
Thiesen:
Das Konzept funktioniert nur, wenn alle Kinder das Brückenjahr absolvieren. Vorgesehen ist, dass alle Kinder erfasst und in die Lernwerkstatt eingebunden werden. Das ist auch mit Blick auf die Absenkung des Einschulungsalters wichtig: Wenn Kinder früher als bisher in die Schule gehen sollen, ist der Kindergartenbesuch zur Vorbereitung extrem wichtig.
Frage:
Das setzt voraus, dass die Eltern ebenfalls einbezogen werden . . .
Fleischer:
Das sind sie ohnehin. Nur anders als bisher, wo Kindergarten und Schule jeweils einzeln auf sie zukommen, wird es künftig ein Dreiecksverhältnis geben: Erzieher, Lehrer und Eltern werden gemeinsam daran arbeiten, dass die Kinder einen optimalen Start in der Schule haben.
Frage:
Das Modellprojekt ist auf zwei Jahre angelegt. Was geschieht mit den Ergebnissen?
Fleischer:
Im Grunde genommen, sollen alle am Ende von unseren Erfahrungen profitieren. Wir selbst werden von Projektbetreuern begleitet, unsere Aufgabe wird sein, unsere Erkenntnisse an alle Kollegen im Wangerland weiterzugeben.
Thiesen:
Am Ende soll es für alle Grundschulen und Kindergärten ein verpflichtendes Konzept geben, mit dessen Hilfe der Übergang zur Schule für die Kinder optimiert wird.