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Die Hauptschule hat als Schulform nur eine Zukunft, wenn sie sich ändert, sagt der Schulleiter. In Augustfehn setze man erfolgreich auf eine Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft.
VoN Thomas Neunaber
Frage:
In Deutschland nehmen die Schülerzahlen an den Hauptschulen stetig ab. Auch in der Gemeinde Apen?
Drabent:
Auch wir in Apen und Augustfehn unterliegen dem Trend, dass die Schülerzahlen stetig abnehmen. So liegt bei uns die Schülerzahl aktuell bei 590 Schülern. Vor einem Jahr waren es noch 649. Dafür nimmt an der Haupt- und Realschule Augustfehn der prozentuale Anteil der Hauptschüler stetig zu. Gegenüber dem Vorjahr steig bei uns der Hauptschüleranteil um neun Prozent.
Frage:
Sehen Sie das als Erfolg an?
Drabent:
Ja, denn wir bekommen auch Anmeldungen aus anderen Nachbargemeinden. Das zeigt, dass wir hier vor Ort gute Arbeit leisten und diese auch von Eltern und Schülern anerkannt wird.
Frage:
Was macht denn ihren Erfolg in Augustfehn aus?
Drabent:
Da ist zum einen das Ganztagsschulkonzept, mit dem wir am 1. September beginnen. Zum anderen bieten wir als Profil eine berufliche Orientierung für unsere Schüler an, die sehr gut ankommt. In unserer Schule haben wir zum Beispiel eine Buchmanufaktur, in der die Schüler lernen können, wie man in einem Betrieb arbeitet. Und noch wichtiger, sie lernen, wie wichtig Pünktlichkeit und Sauberkeit am Arbeitsplatz sind und dass man ein Werkstück sauber durcharbeite muss. Von diesem Programm profitieren die Schüler, wenn sie einen Ausbildungsplatz suchen. Auch bei den heimischen Betrieben, die Lehrlinge einstellen, spricht sich herum, dass wir hier mit unserem Blockunterricht in der Manufaktur vorbetrieblich ausbilden.
Frage:
Soll die Hauptschule zur verlängerten Werkbank werden?
Drabent:
Nein, aber wir wollen, dass unsere Hauptschüler die größtmögliche Ausbildungsreife bei uns bekommen. Wer als Schüler Tugenden wie Fleiß, Sauberkeit, Pünktlichkeit und vor allem Durchhaltevermögen nicht verinnerlicht hat, wird es schwer haben, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Generell ist bei uns mit der Manufaktur und der Vermittlung von Arbeitsfertigkeiten auch eine engere Verzahnung mit den weiterführenden berufsbildenden Schule gewollt und Teil des Vorausbildungskonzeptes an unserer Schule. Dazu gehört auch unsere Berufsinformationsbörse, während der sich Ausbilder präsentieren. Das Angebot wird von der Wirtschaft und unseren Schülern sehr gut angenommen und fördert unser gutes Image als Hauptschule.
Frage:
Schlägt sich das gute Image und die vorbetriebliche Ausbildung durch die Hauptschule auch in besseren Berufschancen nieder?
Drabent:
Ja, soweit ich weiß, bekommen rund 40 Prozent unserer Schulabgänger eine Lehrstelle. Das ist im Vergleich zu anderen Hauptschulen im Bundesgebiet, wo im Schnitt auf Anhieb nur 10 bis 20 Prozent der Hauptschüler nach dem Ende ihrer Schulzeit im Anschluss einen Lehrvertrag in der Tasche haben, sehr viel.
Frage:
Nichtsdestotrotz wird die Hauptschule oft von Eltern und Schülern als Verliererschule angesehen. Manche Arbeitgeber stellen von vornherein keine Jugendlichen mit Hauptschulabschluss ein. Zu Recht?
Drabent:
Dass dieses so gesehen wird, ist nicht ganz falsch. Eltern und Schülern ist bewusst, dass Schüler, die die Hauptschule verlassen, in der Regel keinen Ausbildungsplatz bekommen. Sie drehen dann so genante Ehrenrunden auf Berufsschulen, um sich weiterzuqualifizieren, in der Hoffnung, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Deshalb müssen wir diesen Trend stoppen und – wie wir es in Augustfehn vormachen – mit neuen Konzepten wie der Ganztagsschule und der stärkeren vorbetrieblichen Ausbildung gegensteuern.
Frage:
Wäre es bei dem Image und den Problemen nicht sinnvoller Haupt- und Realschule aufzulösen und stattdessen eine Gesamtschule zu etablieren? In Hamburg gibt es bereits Überlegungen, eine „Stadtteilschule“ zu etablieren, in der Haupt- und Realschule gemeinsam aufgehen. Keine gute Idee?
Drabent:
Ich finde das Hamburger Modell sehr interessant. Von einer Gesamtschule in der Gemeinde Apen-Augustfehn kann man nur träumen. Aber in Niedersachsen besteht nun mal das dreigliedrige Schulsystem aus Gymnasium, Realschule und Hauptschule. Und das ist politisch so gewollt. Wir müssen aus unserem Schulsystem eben das Beste machen. Man muss auch bedenken, dass man zwar die Hauptschule als Schulform abschaffen kann, aber nicht die Hauptschüler. Frage:
Kritiker werfen dem dreigliedrigen Schulsystem mangelnde Durchlässigkeit zwischen den Schulformen vor. Ist es so schwer, von der Haupt- zur Realschule oder von der Realschule zum Gymnasium zu wechseln?
drahten
Die Durchlässigkeit besteht eigentlich nur auf dem Papier. In der Realität schaffen nur wenige Schüler nach meinen Erfahrungen den Sprung in eine „höhere“ Schulform. Hier müsste mehr getan werden, um Schüler besser individuell zu fördern. Dafür wären kleinere Lerngruppen und damit mehr Lehrer nötig. Bisher besteht die Durchlässigkeit vor allem nach unten, das heißt, dass Schüler von der Realschule auf die Hauptschule zurückgesetzt werden.
Frage:
Wenn Sie sich von der Kultusministerin etwas wünschen könnten, was wäre es?
antwort:
Mehr Lehrer an unserer Schule. Wir haben derzeit an unserer Schule nur eine Unterrichtsversorgung von 92 Prozent. Bei dieser Zahl darf eigentlich kein Kollege krank werden.