Jeddeloh Ii - Zum Abschluss ist Anke Timmermann noch einmal in einer Ausnahmesituation gefordert: Ein Wasserschaden in der Kindertagesstätte „Unterm Brückenbogen“ in Jeddeloh II hat sie zum Improvisieren gezwungen. Die Gruppen sind derzeit an vier unterschiedlichen Orten untergebracht, ihr Büro befindet sich in einem blauen Container. Von hier aus gibt sie mit dem Handy Anweisungen, hilft, wenn es Probleme gibt. Organisationstalent ist von ihr als Leiterin gefordert. Doch nach 18-jähriger Tätigkeit bringt die Sandkrugerin auch das nicht mehr aus der Ruhe.
Ungewöhnlicher Start
Bereits ihr erster Arbeitstag im August 2000 war ein ungewöhnlicher. „Ich musste nach dem Aufschließen der Türen erstmal die 110 anrufen“, sagt sie. Einbrecher hatten sich im Kindergarten zu schaffen gemacht – für Timmermann war es ein „etwas anderer Start“ als erwartet. Seitdem hat sie in Jeddeloh II eine Menge bewegt – und sich einen Namen gemacht: bei Mitarbeitern, Eltern und den Kindern.
„Als ich angefangen habe, gab es noch zwei Betreuungszeiten. Von 8 bis 12 Uhr waren in der Kindertagesstätte viele Vier- bis Fünfjährige, nachmittags von 14 bis 17 Uhr dann Drei- bis Vierjährige“, erzählt sie. Damals wie heute gehörten Jeddeloh I und II, Husbäke und Klein Scharrel zum großen Einzugsgebiet. „Die Kinder sind mit dem Bus gekommen, eine Elternarbeit war kaum möglich.“ Die Kinder bekamen daraufhin kleine Notizhefte, in denen wichtige Anmerkungen standen.
„Heute haben wir uns zu einem offenen Haus für Kinder ab drei Jahren aus unterschiedlichen Kulturen und mit individuellem Förderbedarf und Betreuungszeiten von 7 bis 17 Uhr entwickelt“, sagt Anke Timmermann. Besonders am Herzen liegt ihr dabei die Integrationsarbeit. 2004 gelang es, die erste Gruppe einzurichten, die zweite folgte kurze Zeit später. Auch die Sprache hat eine große Bedeutung für den Kindergarten, der sich an einem Bundesprogramm „Sprach-Kita“ beteiligt. „2016 haben wir ein großes Fest zum Weltkindertag gefeiert“, berichtet Timmermann von begeisterten Eltern und Kindern. „Sowas bleibt in Erinnerung.“
Guter Blick vom Büro
Trotz ihrer Aufgaben als Leiterin ist der Sandkrugerin bis heute der Kontakt zu den Kindern wichtig. „Ich kenne alle Mädchen und Jungen mit Namen, kann ihnen die Mütter zuordnen", sagt sie. Einzig bei den Vätern gebe es dort kleinere Schwierigkeiten. „Dafür sieht man sie zu selten.“ Einmal in der Woche ist sie zudem in der Außenstelle in Husbäke, nimmt dort beispielsweise am Morgenkreis teil.
In ihrem Büro in Jeddeloh II kann Anke Timmermann am Morgen außerdem das bunte Treiben beim Kommen beobachten. „Viele Kinder und Eltern winken mir dabei zu“, erzählt sie. „Einige kommen auch in mein Büro, um mir ihr neues Kleid oder ihre neuen Schuhe zu zeigen oder weil sie sich buntes Papier zum Basteln holen möchten.“ In den Dialog zu treten ist ihr dabei besonders wichtig. „Unser Ansatz für Förderung und Entwicklung der Kinder liegt immer bei den Stärken und Interessen der Kinder und nicht bei den Defiziten.“
Auch Kinder aus ihren ersten Jahren in Jeddeloh II, trifft Timmermann heute wieder. „Ein ehemaliges Mädchen aus dem Kindergarten ist jetzt selbst Mutter und hat ihr Kind ab dem Sommer angemeldet“, berichtet die Leiterin.
Nachfolgerin gefunden
Bis Mittwoch werden die Kinder die Tagesstätte besuchen, ehe sie in die Ferien gehen. Danach bleibt Anke Timmermann noch Zeit, die Übergabe vorzubereiten. Ihre letzte Woche wird sie gemeinsam mit Nachfolgerin Kristina Büsing verbringen, dann wird der Staffelstab weitergegeben.
„Durch den Wasserschaden verlasse ich das Gebäude während des Umbaus in einem grauen Etwas. Vielleicht fällt es mir dadurch etwas leichter“, sagt die Leiterin, während sie den Blick durch den Eingangsbereich schweifen lässt. Unzählige Erinnerungen verbindet sie mit dem Gebäude, der Umgebung und den Kindern aus 18 Jahren. Und die wird sie ganz sicher nicht vergessen.
