JEVER - „Lesen gefährdet die Dummheit“ steht auf einem großen Schild an der Wand des Foyers im Jugendhaus Jever. Überall in dem Gebäude sitzen Kinder alleine und in Gruppen, diskutieren, schreiben und lesen sich gegenseitig Texte vor, die sie im Lauf der Woche geschrieben haben.
Die Sechstklässler der Haupt- und Realschule Jever verbrachten den Unterricht in dieser Woche nicht im Klassenzimmer, sondern in der „Schreibwerkstatt“ im Jugendhaus Jever. Die rund 60 Kinder ließen nach einigen „Aufwärmrunden“ mit Lockerungsübungen und kleinen Schreibspielen ihrer Fantasie freien Lauf. Zum Ende des Projekts am Freitagmittag wagten sich einige sogar auf die Bühne, um ihre Geschichten in großer Runde vorzulesen.
Tolle Texte entstanden
„Es sind ganz viele tolle Texte entstanden“, betont die Autorin Inge Meyer-Dietrich aus Gelsenkirchen, die die Nachwuchsschriftsteller gemeinsam mit den Lehrerinnen Martina Schnittker, Ingrid Schürmann und Wiebke Redell sowie Stadtjugendpfleger Detlef Berger und Uta Esselborn von der Kinderkulturarbeit der Stadt Jever betreut und begleitet hat. Die Texte sollen Berger zufolge in einem Buch zusammengefasst werden.
Inge Meyer-Dietrich schreibt vor allem Kinder- und Jugendbücher und konnte den Sechstklässlern viele Tipps geben, wie ihre Geschichten noch besser, spannender oder lustiger werden und wie Gefühle und Erlebnisse in Sprache übersetzt werden können. Damit will sie einer Entwicklung entgegen wirken, die deutlich zu beobachten sei: „Die Sprache wird im Alltagsgebrauch der Jugendlichen zunehmend ärmer.“
Jeden Tag gab es ein gemeinsames Frühstück, das die Kinder selbst zubereitet haben. „Wir haben Schule und Sozialarbeit zusammen geführt“, berichtet Detlef Berger. Die Schreibwerkstatt habe die Kreativität der Kinder geweckt und gefördert, habe aber auch ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung geschärft. „Das Schreibprojekt stärkt die Gemeinschaft und das Selbstvertrauen“, hat auch Autorin Inge Meyer-Dietrich festgestellt, die viel mit Schulen zusammen arbeitet. Wichtige Gründe für den Erfolg seien der außerschulische Lernort und das tolle Betreuerteam gewesen.
Stiftung fördert Projekt
Initiiert wurde die Schreibwerkstatt vom Friedrich-Bödecker-Kreis, der sich für die Leseförderung und Literaturvermittlung engagiert. Uta Esselborn sitzt im Niedersachsen-Vorstand des Vereins und hat so den Kontakt hergestellt. Gefördert wurde die Schreibwerkstatt vom Bildungsministerium und von der jeverschen Philipp-Orth-Stiftung.
Vor zwei Jahren war Inge Meyer-Dietrich bereits zu Gast in Jever und hat fünf Tage lang mit einer neunten Klasse des jeverschen Schulzentrums gearbeitet. Nun beteiligten sich gleich drei Klassen der Haupt- und Realschule an dem Projekt. Esselborn hofft auf weitere Veranstaltungen und entsprechende Unterstützung. „Die Schreibwerkstatt soll zur festen Einrichtung werden“, sagt sie.
