JEVER - Einmal pro Woche üben zehn 13- bis 16-Jährige, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Auch die Familien sind eingebunden.

Von Melanie Hanz

JEVER - „Keine Fäuste machen, lasst die Hände offen!“ Rainer Reiß, Lehrer in der jeverschen Kampfsportschule SDS, gibt klare Anweisungen. Den zehn Jungen zwischen 13 und 16 Jahren fällt es anfangs schwer, sie zu befolgen. Schließlich sollen sie sich ja gegen einen Angreifer verteidigen.

„Offene Hände machen deutlich, dass ihr euch nicht schlagen wollt“, erklärt der Kampfsportler. Und: „Sagt das dem Angreifer, schreit es ihm ins Gesicht.“

„Reden statt schlagen“, unter diesem Motto trainieren die zehn Jungen seit März in der Schule am Schlosserplatz in Jever, cool zu bleiben. Einmal wöchentlich treffen sie sich mit Marcus Gand und Thomas Jacob vom „Zentrum für Gewaltprävention“ in Jever, um spielerisch zu lernen, bei Konflikten in Schule und Alltag nicht mit Gewalt zu reagieren.

„Es geht darum, eingeschliffene Verhaltensmuster zu verändern“, sagt Diplom-Pädagoge Markus Gand. Die Jungen sollen ein positives Selbstwertgefühl aufbauen, sich ihrer Stärken und auch Schwächen bewusst werden und vor allem lernen, sich mitzuteilen. „Zu sagen, was sie meinen, ihre Meinung angemessen zu vertreten, das fällt vielen Jugendlichen schwer“, weiß Gand. Mit Rollenspielen und rhetorischen Übungen zeigt er den Jungen, wie durch Reden Konflikte deeskaliert werden.

Damit nicht verpufft, was im Coolness-Training geübt und besprochen wird, treffen die Pädagogen mit den Jungen Zielvereinbarungen und zu Anfang jedes Trainings wird besprochen, was in der vergangenen Woche geklappt hat und was schief gegangen ist.

„Es ist wichtig, dass die Jugendlichen Erfolgserlebnisse haben“, sagt Beratungslehrerin Monika Fuchs. Auch sie nimmt am Training teil und steht in engem Kontakt zu den Klassenlehrern, die Rückmeldung über das Verhalten der Schüler geben. Die Familien der Jungen bezieht Familienberater Manfred Dubrau ins Projekt ein.

Finanziert wird das Pilotprojekt vom Pro Aktiv Center Friesland. Geplant ist die Fortsetzung des „Coolness-Trainings“ und ein vergleichbares Training für Mädchen – wenn es denn finanziert werden kann. Denn bislang haben sich keine Sponsoren gefunden. „Dabei ist es wichtig, den Jugendlichen die Chance zu geben, soziale Kompetenz zu lernen“, meint Monika Fuchs.