JEVER - Für eine Stärkung der Fachhochschulen und für einen Ausbau der Studienplätze hat sich die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Andretta am Montag in Jever ausgesprochen. Die Expertin für Wissenschaft und Kultur in Wolfgang Jüttners Schattenkabinett besuchte auf Einladung des SPD-Landtagskandidaten Olaf Lies das Schlossmuseum in Jever. Dabei nutzte sie die Gelegenheit, in der heißen Phase des Wahlkampfes für die Hochschulpolitik der SPD zu werben.
Den Sozialdemokraten geht es Andretta zufolge darum, Betrieben vor allem im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen qualifizierte Arbeitskräfte zu bieten und gleichzeitig Deutschland im technologischen Wettbewerb für die Zukunft zu rüsten. „Dabei spielen die Fachhochschulen als Scharnier zwischen Wirtschaft und Forschung eine Schlüsselrolle“, betonte die Abgeordnete.
Die SPD wolle deshalb ein millionenschweres Entwicklungsprogramm für die Fachhochschulen starten mit dem Ziel, mehr Studienplätze anzubieten und die Fachhochschule noch stärker als bisher für beruflich qualifizierte Quereinsteiger – zum Beispiel Handwerker mit Gesellenbrief – zu öffnen.
Gabriele Andretta wiederholte in diesem Zusammenhang auch die Absicht der SPD, die Studiengebühren wieder abzuschaffen. „Sie halten definitiv junge Menschen vom Studium fern“, so die Politikerin. Dabei brauche das Land vor allem in den technischen Berufen jeden Studenten. „In ein paar Jahren werden mehr hoch qualifizierte Ingenieure in den Ruhestand gehen als junge ausgebildet werden“, betonte Dr. Andretta.
Doch auch an den Universitäten bestehe Handlungsbedarf. Die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge hätten nicht zu einer höheren internationalen Flexibilität im Studium geführt, sondern zu stark verschulten Strukturen. „Die Studienreform wird hier sehr deutsch umgesetzt“, stellte Andretta fest. Zudem fehlten gerade in den weiterführenden Master-Studiengängen die Ressourcen. Das führe zu einem sehr beschränkten Zugang zu Master-Studienplätzen. „Damit verbauen wir jungen Menschen ihre Berufsperspektiven“, kritisierte Andretta.
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von ulrich schönborn
jever Schul-, Esszimmer-, Klapp-, Garten- und Kinderstühle standen am Montag in Reih und Glied vor dem Kreishaus in Jever. Sogar einen Autositz hatte jemand in die Stuhlreihen gestellt.
Aufgerufen zu der Stuhlaktion hatte das Aktionsbündnis „IGS für Friesland“. 431 Stühle sollten vor dem Kreishaus aufgestellt werden – einer für jede potenzielle IGS-Anmeldung im Jahr 2008. Die Zahl wurde zwar nicht ganz erreicht. Martina Esser vom Aktionsbündnis war dennoch zufrieden. „Die Resonanz zeigt, wie groß der Rückhalt in der Bevölkerung ist“, sagte Esser (siehe Interview auf dieser Seite).
Nicht zufrieden ist das Aktionsbündnis dagegen mit der Politik der Landesregierung, die am dreigliedrigen Schulsystem festhalten und Gesamtschulen nur in Ausnahmefällen zulassen will. Nachdem die CDU eine grundsätzliche Lockerung des Gründungsverbots für Gesamtschulen in Niedersachsen in Aussicht gestellt hatte, sorgten die von Kultusminister Bernd Busemann genannten Auflagen für eine IGS-Gründung für Ernüchterung. Vor allem die Vorgaben, dass eine IGS keinen bestehenden Schulstandort gefährden dürfe und bei einer Neugründung allen interessierten Schülern auch sofort ein Platz angeboten werden müsse, sind nach Einschätzungen des Bündnisses nicht umzusetzen.
Auch der SPD-Landtagskandidat Olaf Lies, der das Aktionsbündnis mitinitiiert und unterstützt hat, zeigte sich skeptisch: „Wenn das Gesetz so kommt, wie von Busemann angekündigt, dann ist die IGS-Gründung in Friesland derzeit nicht realisierbar“, sagte er.
Die Pläne, schon 2008 mit einer IGS in Friesland zu starten, mussten somit begraben werden. Das Aktionsbündnis zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir geben nicht auf“, so Esser.
„Wir fordern die Aufhebung des Gründungsverbots ohne Einschränkungen“, betonte Andrea Wilbers vom Aktionsbündnis in einer kurzen Ansprache. Es gehe darum, Kinder optimal zu fördern und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Das gehe am besten in einer gemeinsamen Beschulung: „Gemeinsam lernen macht stark“, so Andrea Wilbers.
