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Menschen Held der Kinder: Wümmi wird allen fehlen


Wiard Wümkes bei der Einweisung der Verkehrshelfer des Walking Bus in Jever.



Oliver Braun

Wiard Wümkes bei der Einweisung der Verkehrshelfer des Walking Bus in Jever.

Oliver Braun

Jever - Wann Wiard Wümkes das letzte Mal bei Rot über die Straße gegangen ist, daran kann er sich nicht erinnern: „Sowas mache ich nicht! Ich bin doch ein Vorbild hier in Jever, das geht gar nicht“, weist der bekannteste Polizist im Jeverland entrüstet alle Versuche zurück, ihm ein Geständnis zu entlocken. Die Nase wird nicht länger, die Beine werden nicht kürzer. . . Kein Zweifel: Wümmi sagt die Wahrheit. Alles andere würde auch das Weltbild hunderter, ach was, tausender Kinder ins Wanken bringen.

Wiard Wümkes ist ein Polizist wie aus dem Bilderbuch. Oder aus einer Zeichentrickserie. Der Held aller Kinder, Freund und Helfer. Wümmi ist die „Polizei zum Anfassen“. Sein Büro im Kommissariat in Jever ist voll mit Dankesschreiben, selbst gemalten Bildern und Bastelarbeiten von Kindergarten- und Grundschulkindern, denen er beigebracht hat, wie man sich zu Fuß, auf dem Roller oder mit dem Fahrrad sicher im Straßenverkehr bewegt. Und er hat ihnen beigebracht, dass man sich nie darauf verlassen sollte, dass einen die Autofahrer sehen und anhalten.

20 Jahre in Schulen

Seit fast 20 Jahren ist Polizeihauptkommissar Wümkes Verkehrssicherheitsberater bei der Polizeiinspektion Friesland und bekannt und beliebt bei Jung und Alt. Auch in Seniorentreffs hält er seit Jahren Vorträge über die immer neuen Maschen der Trickbetrüger und Ganoven.

Inzwischen ist Wiard Wümkes auch nicht mehr der allerjüngste. 60 Jahre alt ist er inzwischen. Und nun will er die Chance nutzen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Am 31. Oktober ist sein letzter Tag im Polizeidienst.

„Ich werde schon seit Anfang des Jahres überall verabschiedet“, sagt Wiard Wümkes schon. „Dabei habe ich doch noch Wochen bis zum Ruhestand.“ Wümmi ist regelmäßig an 16 Grundschulen, 20 Kindergärten und sechs weiterführenden Schulen im Jeverland tätig. Den Allerkleinsten vermittelt er in Theorie und Praxis, wie man sicher über die Straße kommt, übt mit ihnen fürs Fußgänger-Diplom, den Rollerführerschein oder macht mit den Viertklässlern die Radfahrprüfung. Er betreut Projekte wie den Walking Bus und schult Eltern als Verkehrshelfer. In den höheren Jahrgängen bringt er Themen wie Gewalt, Selbstbehauptung, Mobbing, Drogen und Alkohol, Führerschein und frisierte Mofas zur Sprache.

Oft unterstützen ihn dabei Eltern, Pädagogen und Experten aus der Sozialarbeit und Jugendhilfe. „Ich glaube, ich habe einen ganz guten Draht zu jungen Leuten“, sagt Wümkes. In der Polizei ist er auch Einstellungsberater, hält Vorträge an Schulen und auf Jobbörsen und ist für die Betreuung der Schulpraktikanten zuständig.

Einige seiner Praktikanten sind später im Polizeidienst gelandet. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ihn eine junge Kommissarin angesprochen: „Wümmi, bei Dir habe ich in der vierten Klasse die Fahrradprüfung gemacht.“

Berufswunsch: Lehrer

Wiard Wümkes, der in Jever lebt, stammt aus Leerhafe. Und dort gibt er seit vielen Jahren den Ton im Posaunenchor an und war zudem 30 Jahre lang Fußballtrainer bei TuS Leerhafe-Hovel. „Eigentlich wollte ich mal Lehrer werden“, sagt Wümkes. Doch nach dem Abitur am Mariengymnasium und Wehrdienst bei der Marine ging er zur Polizei. Erste Stationen waren Braunschweig, Osnabrück und Hildesheim, später wechselte er als Dienstabteilungsleiter nach Verden/Aller und kam Ende der 1980er Jahre nach Wilhelmshaven und dann als Dienstschichtleiter nach Jever.

Als Anfang der 2000er Jahre die Polizeireform kam und viel umstrukturiert wurde, bewarb sich Wümkes als Sachbearbeiter Prävention und baute den Kontakt zu Schulen auf. „So wurde ich irgendwie doch noch Lehrer – nur eben in Uniform.“ Eine großartige Aufgabe, sagt der Polizeihauptkommissar. Rund 500 Schulkinder unterrichtet er pro Jahr.

Nun naht der Abschied. In vielen Schulen und Kindergärten hatte Wümkes bereits seine letzten Einsätze. „Und die Verabschiedungen gehen schon unter die Haut“, sagt Wümkes. Der neue Wümmi wird eine Frau: Tanja Horst. Eine gelernte Erzieherin, die zur Polizei gewechselt ist und im Präventionsrat Wangerland mitgearbeitet hat. Sie wurde bereits von Wümmi eingearbeitet.

So ganz beenden will Wiard Wümkes die Arbeit mit Kindern auch im Ruhestand nicht: „Als pädagogischer Mitarbeiter oder Sportübungsleiter an Grundschulen würde ich gern noch weitermachen.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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