JEVER - „So stelle ich mir erfolgreiche Stadtentwicklung vor“, sagt Frank Vehoff und zeigt auf den Einmündungsbereich von Menkestraße und Oldenburger Straße in Heidmühle. Dort gebe es alteingesessene Einzelhändler mit hoher Beratungsqualität, Lebensmittelgeschäfte, Arztpraxen, eine Apotheke und stadtnahe Wohnungen. Ein neues Wohn- und Geschäftshaus wird gerade fertiggestellt. „Die Leute investieren – sie vertrauen in den Standort“, sagt Vehoff. Das müsse von der Politik unterstützt werden. Gleichzeitig gelte es, dem demografischen Wandel gerecht zu werden. Die Schaffung seniorengerechten Wohnraums sei eine Aufgabe, der sich auch der Landkreis stellen müsse.

Der 52-jährige Marine-Offizier und CDU-Politiker fordert im Wahlkampf um das Landratsamt in Friesland Amtsinhaber Sven Ambrosy (SPD) heraus. Er setzt dabei eigenen Angaben zufolge auf Bürgernähe und Bürgerbeteiligung. „Ich bin kein Freund großer Konzepte, die dann meistens in Schubladen schlummern“, sagt er. Der Teufel stecke im Detail. Deshalb sei es wichtig, die Bürger mitzunehmen und in Entscheidungen einzubeziehen. Denn sie müssten am Ende mit diesen Entscheidungen leben.

In der Kreispolitik vermisst Vehoff den politischen Diskurs, den Mut zu kontroversen Diskussionen. Zu viel werde gekungelt und vorher abgesprochen. „Der von Landrat Sven Ambrosy gepriesene friesische Weg ist zu oft der Weg des geringsten Widerstands“, sagt Vehoff. In der Bevölkerung führe das zu dem Eindruck, dass sich sowieso nichts ändere. Das fördere die Politikverdrossenheit. Dabei sei die Politik dafür da, die Verwaltung zu kontrollieren und zu steuern – und nicht umgekehrt.

Ändern will Frank Vehoff die Finanzpolitik des Landkreises. Es sei nicht richtig, seinen ausgeglichenen Haushalt anzupreisen und sich das Geld dafür über die Kreisumlage von den klammen Städten und Gemeinden zu holen, denen oft die Luft zum Atmen fehle. Der Kreis dürfe nur so viel Geld ausgeben, wie er einnehme und müsse mit dem Beitrag seiner Städte und Gemeinden besonders sorgfältig umgehen. Ihm sei klar, dass der Landkreis zum Beispiel in der Sozialhilfe viele Ausgaben nicht steuern könne. Als Standortältester der Marine in Wilhelmshaven sei er es aber gewohnt, mit Budgets auszukommen. „Bei der Bundeswehr kann ich keinen Kredit aufnehmen und Umlagen erheben, um meine Aufgaben zu erfüllen“, sagt er.

„Klare Aufgabenanalyse“

Sparpotenzial sieht Vehoff, der an der Bundeswehrakademie Logistik und Organisationswissenschaft studiert hat, vor allem im Verwaltungsapparat des Landkreises. Niemand müsse dort um seinen Job bangen. Doch es sei eine klare Aufgabenanalyse erforderlich. „Die Kreisverwaltung muss ihre Personalstrukturen auf den Prüfstand stellen und in Absprache mit ihren Städten und Gemeinden festlegen, welche Aufgaben sie hat und welche woanders besser aufgehoben sind“, so Vehoff. Zudem gelte es, alle Möglichkeiten einer Effizienzsteigerung auszuschöpfen – zum Beispiel bei der Materialbeschaffung oder der gemeinsamen Nutzung von Bauhof-Ressourcen. Überflüssig sind aus seiner Sicht immer neue Verwaltungsstrukturen wie die Bildungsregion Friesland oder der Klimaschutzmanager. Seiner Erfahrung nach könnten bei einer stringenten Optimierung der Verwaltungsstrukturen 20 bis 30 Prozent der Kosten eingespart werden.

Frank Vehoff wurde 1959 in Dortmund geboren, bestand 1977 das Abitur und absolvierte anschließend eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Firma Hoesch. Dann kam mit 21 Jahren der Einberufungsbescheid der Bundeswehr, der sein Berufsleben in neue Bahnen lenkte: Vehoff ging zur Marine, entschied sich für die Offizierslaufbahn und wurde Berufssoldat. Die Bundeswehrhochschule in Hamburg schloss er als Diplom-Kaufmann ab, er fuhr unter anderem auf der „Gorch Fock“, auf Minensuchern und auf der Fregatte „Köln“ zur See. Während seiner Laufbahn spezialisierte er sich auf die Bereiche Technik, Logistik und Personalführung.

Seit 2006 ist der Kapitän zur See Stützpunktkommandeur des Marinestandorts Wilhelmshaven und in dieser Funktion eigenen Angaben zufolge für rund 1000 Mitarbeiter zuständig. Als Standortältester ist er zudem Ansprechpartner für die Stadt und die Wirtschaft.

Bereits seit 1989 lebt Vehoff mit seiner Frau Sabine und zwei Kindern in Schortens. Eigentlich sollte Schortens auch nur eine Station im von Versetzungen geprägten Leben des Berufssoldaten sein. Doch als Vehoff Wilhelmshaven damals Richtung Bonn verlassen musste, entschloss sich die Familie zu bleiben. „Wir fühlen uns hier pudelwohl und heimisch“, sagt Frank Vehoff.

Der 23-jährige Sohn hat sich ebenfalls für eine Laufbahn bei der Marine entschieden, die 13-jährige Tochter besucht die Realschule in Schortens. „Bei der Gründung der Integrierten Gesamtschule war vielen Schortensern leider nicht klar, dass die Tage ihrer Haupt- und Realschule gezählt sind“, sagt Vehoff. Er stehe hinter dem Modell der Oberschule, das in Sande und Hohenkirchen nun erfolgreich gestartet sei. „Diese Oberschule vereint die Vorteile aller Schulformen“, sagt der CDU-Politiker. Sie ermögliche eine frühzeitige Differenzierung und sei gleichzeitig sehr durchlässig. Vehoff ist sicher, dass die Oberschule in Friesland bald zur Regelschule wird. Doch auch die anderen Schulformen hätten ihre Berechtigung: „Die Eltern brauchen die Wahlfreiheit“, sagt er. Nicht rütteln wolle er an der Daseinsberechtigung der Gymnasien.

Seit zwei Jahren in Politik

Wichtig ist dem Landratskandidaten auch der Tourismus – wobei er auch hier gezielte und realistische Projekte großen Plänen vorziehe. Die im „Masterplan Nordsee“ festgelegten Schwerpunkte „Barrierefreiheit“, „Gesundheitstorismus“ und „Qualitätssicherung“ seien nicht neu. „Doch es muss in dieser Hinsicht endlich etwas passieren“, so Vehoff. Absichtserklärungen seien schön und gut. Er vermisse aber konkrete Zielvereinbarungen.

In die Politik kam Vehoff erst vor gut drei Jahren. Er engagierte sich in der Schortenser CDU und übernahm den Vorsitz des Vereins für Tourismus, Gewerbe und Marketig (TGM). „Ich wollte eigentlich in den Schortenser Stadtrat, um dort etwas zu bewegen“, berichtet er. Dann suchte die CDU einen Kandidaten für die Landratswahl – und Vehoff stellte sich zur Verfügung.

Dass viele in Sven Ambrosy den Favoriten sehen, lässt Frank Vehoff kalt. Wichtig sei die Wahlbeteiligung. Er hoffe, viele Bürger mit seinem Motto „Den Wechsel wählen“ an die Wahlurne zu locken.

Und wenn er nicht Landrat wird? Dann will Vehoff in der CDU-Kreistagsfraktion dafür sorgen, in der Kreispolitik neue Akzente zu setzen.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)