JEVERLAND - Moderne Handys dienen nicht nur zum Telefonieren. Man kann mit ihnen Kurzmitteilungen versenden, Musik abspielen sowie Fotos und Videosequenzen aufnehmen.
Der Missbrauch dieser Bildfunktion hat jetzt im Mariengymnasium Jever dazu geführt, dass auf dem gesamten Schulgelände Handys künftig ausgeschaltet werden müssen. Ausnahmen sind nur in bestimmten Bereichen erlaubt (siehe Info-Kasten). Einen entsprechenden Beschluss hat die Gesamtkonferenz der Schule gefasst.
Wie der stellvertretende Schulleiter des Mariengymnasiums, Dr. Martin Lichte, auf Anfrage der NWZ bestätigte, hat es „unschöne Zwischenfälle“ gegeben, die zu diesem Beschluss geführt hätten. So hätten zum Beispiel Schüler in Toiletten heimlich auf den Foto-Auslöser gedrückt. „Das ist ein starker Eingriff in die Intim- und Privatsphäre“, betonte Dr. Lichte. Parallel zum Handyverbot sollen die Schüler über die Folgen solcher Handlungen aufgeklärt werden. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie Rechte am eigenen Bild verletzen und durchaus eine Straftat begehen können“, so Lichte.
Doch es ist nicht nur die Fotografiererei, die den Schulbetrieb stört. Klingeltöne und SMS-Botschaften im Unterricht haben dazu geführt, dass an den Schulen im Jeverland – oft auch noch als „ungeschriebenes Gesetz“ – Handys im Unterricht ausgeschaltet werden müssen.
„Wir kontrollieren nicht an der Eingangstür die Taschen. Wenn jemand sein Handy auspackt, wird es ihm aber abgenommen und erst nach ein bis zwei Tagen wieder ausgehändigt“, so Marion Gerdes-Ufken, Leiterin der Realschule in Schortens. Ähnlich verfährt die Haupt- und Realschule in Jever. „Das Handy bleibt auf dem Schulgelände aus“, so Schulleiter Wolfgang Niemann-Fuhlbohm. Im Notfall könnten die Schüler das Telefon im Sekretariat benutzen.
Auch an der Berufsbildenden Schule in Jever sind Handys im Unterricht nicht erwünscht. „Wir haben hier meist mit erwachsenen Leuten zu tun, deshalb appellieren wir an die Einsicht“, so Schulleiter Dietmar Kruit. In vielen Klassen müsse der Handybesitzer einen Kuchen spendieren, wenn sein Telefon im Unterricht bimmelt. Doch es gibt auch Ausnahmen. „Neulich hat ein werdender Vater unter unseren Schülern darum gebeten, sein Handy eingeschaltet lassen zu dürfen“, so Kruit: „Da haben wir natürlich nicht nein gesagt.“
