JEVERLAND - Entsetzt und tief erschüttert haben Schulleiter aus dem Jeverland am Mittwoch auf den Amoklauf eines 17-jährigen Schülers an der Realschule in der baden-württembergischen Kleinstadt Winnenden reagiert. Der Täter hat 15 Menschen erschossen, bevor er auf der Flucht von der Polizei getötet wurde.
„Es ist unfassbar, dass junge Menschen zu einer solchen Tat fähig sind“, sagte der Leiter der Haupt- und Realschule Jever, Wolfgang Niemann-Fuhlbohm. Letztlich könne man nur mit vorbeugenden Maßnahmen versuchen, solchen Entwicklungen gegenzusteuern. Schutz vor derartigen Extremtaten werde es wohl nie geben.
Ähnlich sieht das der stv. Leiter des Mariengymnasiums, Dr. Martin Lichte. Wichtig sei, frühzeitig die soziale Kompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken und gegen Mobbing vorzugehen. Es gebe aber wohl kein Muster, nach dem Persönlichkeiten erkannt werden können, die zu solchen Taten fähig sind.
Im Schulzentrum Hohenkirchen soll das schreckliche Geschehen an diesem Donnerstag im Unterricht besprochen werden, sagt Schulleiterin Berta Paasman. „Leider ist so etwas überall möglich“. Es gelte darauf zu achten, dass weder unter Schülerinnen, Schülern und Eltern noch unter den Lehrern Ängste geschürt werden. Wichtig sei, sachlich über das Thema zu reden.
„Angst und Hilflosigkeit“ sind die Gefühle, die Hans-Joachim Vogt von der Hauptschule Schortens verspürte. Wie auch die Leiterin der benachbarten Realschule, Marion Gerdes-Ufken, sieht Vogt „keinen Masterplan“, der solch eine Tat verhindern kann. Man müsse auf auffällige Schüler achten und eigenbrötlerische Tendenzen ansprechen. „Ein Rezept gegen solchen Horror hat niemand“, sagt auch Petra Kluin vom Schulzentrum in Sande.
Nach Angaben des Diplom-Psychologen Guido Naendorf von der SOS-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Jever brauchen die Schulen Zeit und personelle Ressourcen, um auf gefährdete Schüler eingehen zu können. Im NWZ -Interview kritisiert er Kürzungen bei der Ausstattung mit Schulpsychologen.
Interview auf Jever, s.34
