Oldenburg - Eine Reise zurück in die sportliche Geschichte: Der Eindruck, wie die Olympischen Spiele während der römischen Kaiserzeit ausgesehen haben könnten, wurde von fünf Gymnasien aus Oldenburg, Bremen und Westerstede in Kooperation mit der Carl-von-Ossietzky-Universität ziemlich realistisch vermittelt.
Der Zug der Olympioniken beginnt am Pferdemarkt. Der Organisator der Spiele, Georg Müller, regelt per Megafon die Reihenfolge der „Kampfgruppen“. Allen voran der Hohepriester (Prof. Dr. Michael Sommer vom Institut für Geschichte der Carl-von-Ossietzky-Universität), gewandet in einer „sehr einfachen Nachbildung“ einer violett-farbenen Toga. Gefolgt von Kaiser Nero, (Marco Mertens, 21, Student aus Borkum) mit lorbeerbekränztem Haupt und einem schon etwas realitätsnäherem roten „Faltenkleid“ und seinem Gefolge. „Wir wollen heute zusammen mit den Studierenden, Schülerinnen und Schülern eine umrisshafte Demonstration der römischen Antike abgeben“, so der Historiker. Dann folgen die einzelnen Poleis (Stadtstaaten): Athen, Sparta, Rhodos, Kyrene und Kroton. Und über allem schwebt der Schutzpatron Zeus. Deshalb klingt während des langen Marsches zum Julius-Mosen-Platz immer wieder der dreimalige Ruf „Zeus – pater“ (Zeus Vater). Der Zug wird flankiert von den Hellanodiken (Kampfrichter), die auch gleichzeitig dafür sorgen, dass die entgegenkommenden neuzeitlichen „Mobiles“ (gemeint sind die Autos) den Athleten keinen Schaden zufügen. Zur Begrüßung der Olympioniken hält der Hohepriester – mit Megafon bewaffnet – eine Hymne auf Zeus als Fürst der Natur, Allgebender, wolkenumdüsterter Werfer des Blitzes und Schützer der Menschheit vor Unwissenheit.
Die Olympioniken schwören den Olympischen Eid (nach Pausanias): „Ich schwöre bei Zeus, dass ich mir keinen Verstoß gegen die olympischen Wettkämpfe werde zuschulden kommen lassen.“ Die Athleten: „Ich schwöre, dass ich mich zehn Monate hintereinander der sorgfältigsten Übung hingegeben habe.“ Die Kampfrichter: „Ich schwöre, dass ich mein Urteil nach Recht und ohne Geschenke abgebe.“ Im sechsteiligen Säulenportikus des PFL findet der Wettbewerb der fünf Herolde statt. Der Herold von Kyrene (Neele-Marie Lofrüthe (12), Gymnasium Eversten) stellt die Verdienste des Stadtstaates Kyrene dar – ohne Megafon. Sie ist stolz, dass sie das „rüberbringen durfte“, wie sie sagt. „Und neben Hermes und Apollon an meiner Seite habe ich mich wohl gefühlt“, so die Schülerin. Herold Uwe Roeder, Lehrer am Alten Gymnasium, bedient sich der vergleichenden Werbung bei der Darstellung des Stadtstaates Sparta. „Wir zeugen gesunden Nachwuchs und geben uns nicht wie die Athener der Knabenliebe hin“, deklarierte der Lehrer.
Um 12 Uhr geht es dann zu den sportlichen Wettkämpfen auf dem Sportplatz des BTB. Großes Interesse finden der Doppelstadionlauf und der Weitsprung aus dem Stand. Jeder Springer springt dreimal mit einem Schwunggewicht in jeder Hand. Christa aus Athen springt mit insgesamt 7,37 Metern am weitesten. George aus Kyrene kommt auf 6,34 Meter. Diskuswerfen, Dichterwettstreit und Waffenlauf bieten weitere spannende Stunden bei besten Wetterbedingungen. Das Finale bildet ein spannendes Wagenrennen. Die drei ersten Sieger aller Disziplinen bekommen einen Olivenzweig – weder in Gold, noch Silber oder Bronze. „Es wäre für den Zweit- und Drittplatzierten eine Demütigung, wenn man Unterschiede in der Bewertung der Leistung gemacht hätte“, so Georg Müller.
