Oldenburg - Ihren Namen können alle schon nach der ersten Stunde auf Hebräisch schreiben und auch das erste Lied singen: Die 16 Schülerinnen und Schüler, die am Alten Gymnasium (AGO) die stadtweit – wohl auch regionweit – einzige Hebräisch AG belegen, kommen schnell voran, trotz des fremden Alphabets.

Denn sie haben viel Lust dazu, und sie haben eine gute Lehrerin: Hedva Lüttge aus Tel Aviv ist israelische Dozentin für Jüdische Studien an der Universität. AGO-Lehrer Jörg Witte hat sie für den Hebräisch-Unterricht gewonnen.

Bereits im vergangenen Schuljahr hatte Hedva Lüttge die Schüler des Seminarfachs Israel besucht. Sie war begeistert vom langjährigen Israel-Projekt des AGO und sofort bereit, einen Kurs „Modernes Hebräisch (Ivrit)“ anzubieten.

Auch Wittes Kollege Ludger Hillmann nimmt an der AG teil und drückt wieder die Schulbank. Denn am 13. Oktober wird Witte mit Hillmann und den Jugendlichen für zwei Wochen nach Israel reisen, einschließlich achttägiger Rundreise. Neben dem Schüleraustausch mit Mateh Asher wird es auch eine Begegnung mit einer Oldenburger Delegation geben, die dort u.a. eine Kunstausstellung des BBK eröffnet. Schüler Onno Winters sagt: „Es ist ein Land, von dem man so viel hört, aber nichts aus eigener Anschauung weiß. Wir wollen es selbst sehen.“

Die Schüler freuen sich auf die Reise. Sie waren ausgelost worden, weil es zu viele Anmeldungen gab. Sie interessieren sich für die Geschichte des Landes, für das Zusammenleben mit der arabischen Minderheit, den normalen Alltag, aber auch für touristische Höhepunkte wie Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Jaffa, Marsala, die Klagemauer oder das Schwimmen im Toten Meer, erzählen sie. Die Hebräisch-AG ermögliche vielleicht sogar den einen oder anderen Flirt, witzelt einer.

In der Sprache schwingt für Hedva Lüttge „ein Hauch der Geschichte Israels mit, sie hat eine besondere Tiefe“. Für Jörg Witte steckt das Lebensgefühl darin. Er sagt: „Die Israelis sind unkompliziert und gehen auf einen zu. Alle duzen sich. Wir finden das sehr schön, also werden unsere Schüler uns dort auch duzen.“

Seit 2006 gibt es das Israel-Projekt der Schule. Es fußt auf drei Säulen: Erinnerungsarbeit, Deutsch-Jüdische Beziehungen und Deutsch-Israelische Beziehungen. Es geht um ein umfassendes politisches und kulturelles Bild der Region und des Landes. Das Projekt erfährt große Anerkennung – bis hin zu Botschaftseinladungen zum Jahrestag der Staatsgründung Israels und wiederholten Treffen mit der deutsch-israelischen Journalistin und Autorin Inge Deutschkron in Berlin. Wesentlicher Bestandteil ist dabei immer der Schüleraustausch mit der Cabri Manor High School des Kibbuzes Cabri in Galiläa.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg