Jever - Es ist ein Kreuz mit der Politik: Per Definition regelt sie die Belange aller Mitglieder der Gesellschaft – in der Praxis jedoch sorgen ihre Protagonisten oftmals dafür, dass viele Mitglieder der Gesellschaft das Interesse an politischen Themen verlieren. Oder wie es der zwölfjährige Niels zusammenfasst: „Wie Politiker reden, ist langweilig.“ Kein ganz neues Problem, eher ein ganz altes.

So geht es für Lehrer Reinhold Rensch vor allem darum, Grundlagenarbeit zu leisten und Interesse an Politik bei seinen Schülern zu wecken. Der Klassenlehrer an der Elisabeth-Kauffeld-Oberschule beteiligt sich mit seiner siebten Klasse an der NWZ -Aktion „Schüler wählen“. Bei dieser simulieren hunderte Schüler im gesamten Oldenburger Land die Landtagswahl – mit originalgetreuen Wahlzetteln und in geheimer Abstimmung. Die Ergebnisse werden im Januar bekannt gegeben.

Grundwerte, Rechte und Pflichten in einer Demokratie, dazu Wahlsystem und Parteien – kein leichter Stoff für Zwölf- oder 13-Jährige. Die meisten der 15 Schüler in der Klasse hören zum ersten Mal von diesen Themen. Namen und Parteien geistern noch eher bruchstückartig durch die Köpfe der jungen Leute, die Zusammenhänge müssen sie sich erst noch erschließen – ein Puzzle mit viel Kleinarbeit, auch für die Lehrer. Am Ende sollen schon bald mündige, politisch interessierte junge Erwachsene stehen.

Was also bewegt die Siebtklässler in ihrem jungen Alter? Die Antwort: Zunächst einmal das, was in ihrer Umgebung geschieht, zum Beispiel Umweltthemen: „Gorleben“, sagt Niels. Die Bahnumfahrung in Sande, sagt ein anderer Schüler.

Miguel (13) findet, in der Schule sollte mehr mit und an Computern gearbeitet werden. „Dafür sollten die Politiker sorgen.“ Nico (12) macht sich Sorgen um die Zukunft. Genauer, um seine Zukunft. Im ländlichen Friesland ist Mobilität auch bei jungen Leuten ein Thema: „Das Benzin sollte billiger werden, es dauert ja nicht mehr lange, bis ich einen Roller-Führerschein machen darf.“

Wie wahrscheinlich mehrere Generationen an Schülern vor ihm, hat der Zwölfjährige zuletzt auch noch eine unmissverständliche Forderung an die Politik: „Die Schule sollte erst um 9 Uhr beginnen.“