Einswarden - Alle Jahre wieder. Wenn der Weihnachtsmann mit seinem kräftigen „Ho, ho, ho“ aus der Klassentür tritt, den prallgefüllten Sack mit Süßem locker geschultert, ist er sofort umringt von mehreren Dutzend Mädchen und Jungen, die ihn erwartungsvoll anschauen. Für den Rotrock ist kaum ein Durchkommen. Aber ein Durchkommen gibt es auf dem Weihnachtsmarkt in der Schule Am Luisenhof ohnehin kaum, wenn sich über 2000 Besucher durch die Flure drängeln.
60 Stände boten am Sonnabend allerlei Neckisches und Ausgefallenes: eine ausgesprochen breite Auswahl an weihnachtlicher Deko, vielen kleinen Schmuckstücken und gefälligen Unikaten. Fast alles gefertigt in Handarbeit mit reichlich Fantasie und Akribie. Ob Socken oder Wandbilder, Christbaumkugeln oder Holz-Skulpturen, Weihnachtskarten oder Armreife und Silberkettchen, wer ein wenig stöberte, fand schnell, was ihm gefiel.
Ein besonderer Hingucker war der kleine Tisch von Doreen Meinköhn, den sie wenige Meter vom Eingang entfernt in bester Lage aufgestellt hatte. Normalerweise, im Schulalltag, ist die Waddenserin in der Mensa der Oberschule Am Luisenhof tätig. Für die ersten Minuten nach einer stressigen Pause suchte sie unlängst den Ausgleich, und sie fand ihr ungewöhnliches Hobby. Doreen Meinköhn faltet aus abgelegten Büchern wahre Kunstwerke im Einband. Eulen sind es oder Portraits, Herzen, Tannenbäume sowie die Embleme ihrer Lieblingsfußballclubs Werder Bremen und Borussia Dortmund. Alles natürlich in 3D.
„Es gibt nichts, was man nicht falten kann“, erzählt sie. 500 Seiten müssten die Bücher aber mindestens haben. Dabei ist es egal, ob es John Grishams „Der Klient“ ist oder „Die Geschichte der Bundesrepublik“. Mindestens drei Stunden, meistens aber drei Tage brauche sie für eines ihrer „Babys“, wie sie ihre exklusiven Meisterstücke nennt. Über 90 Bücher hat sie schon gefaltet. Viele ihrer Werke präsentierte Doreen Meinköhn beim Luisenhof-Weihnachtsmarkt. Beispielsweise ein Hochzeitsbuch für „Heike & Thomas, 30.09.2016“, ironischer Weise gefaltet aus einem Romanband mit dem Titel „Tortur“. An einem neuen Stück Buch-Kunst war sie während des 37. Weihnachtsmarktes just am Falten.
Traditionell veranstaltet das Schulzentrum Am Luisenhof sein Weihnachtsevent am Samstag vor dem ersten Advent. „Auch diesmal ist der Zulauf wieder grandios“, freute sich Rainer Janßen, stellvertretend für die 430 Schüler, die vielen Eltern und die weit über 40 Lehrkräfte und Mitarbeiter des Luisenhofes, die mit angepackt hatten. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte der Schulleiter, „und für alle schon ein Stück weit Sozialtraining.“ Den Schlüssel zu diesem Erfolg sieht er in der Kontinuität und Verlässlichkeit. Rainer Janßen: „Wir wollen die Tradition unbedingt erhalten und bauen deshalb auf das Altbewährte.“ So gehörten auch der Weihnachtsmann, das Kasperletheater und das Spielzimmer für die Kleinen selbstverständlich zum Programm.
Alle 22 Klassen der Schule waren laut Rainer Janßen beim Markttreiben mit eingebunden. Die meisten zeichneten für die Versorgung mit Getränken und Speisen verantwortlich – egal, ob in der Pommes-Friterie, am Bratwurstgrill, in der Crêpes-Küche, am Berliner-Stand oder beim Bauchladenverkauf von Lachgummis auf Schaschlikspießen und Brezeln.
