Kayhausen - Die mehr als 30-stündige Rückfahrt im Linienbus hat Gerhard Langner eine ordentliche Erkältung beschert, aber der 76-jährige Tischlermeister au Kayhausen gönnt sich keine Pause sondern denkt bereits kurz nach seiner Rückkehr aus Weißrussland an den nächsten Hilfstransport.
In der ersten Novemberwoche war Langner – wieder einmal – in die Region Mogilev aufgebrochen, gleichzeitig war der LKW einer Spedition, beladen mit Hilfsgütern für ein Altenheim und eine Dorfschule unterwegs.
Langners in letzter Zeit stark verbesserte Kontakte zu den örtlichen Behörden, vor allem zum neuen Chef im Amt für humanitäre Hilfe, erleichterte ihm und vor allem den Empfängern das Leben. „Früher gab es immer Probleme mit der Freigabe der Spenden“, berichtet Langner. „Im vergangenen Jahr musste dass Altenheim von der Ankunft der Spenden im November bis Februar warten, bis sie Zugriff auf die dringend benötigten Hygieneartikel bekamen.“ In diesem Jahr war alles anders: „Der LKW kam einen Tag nach mir an und konnte sofort entladen werden, der Zoll war nicht zu sehen.“
Neben Hilfsgütern hatte Langner auch Geld dabei. Von insgesamt 15 000 Euro an Spenden hatte er einige Geräte angeschafft und gespendete reparieren lassen. „9000 Euro habe ich nach Weißrussland mitgenommen. Rund 1300 Euro davon hat die Spedition bekommen, den Rest habe ich verteilt.“ 4500 Euro gab Langner einer Kinderklinik in der Stadt Bobruisk, den Rest teilte er auf Dorfschule und Altenheim auf.
„In der Schule sitzen Kinder und Lehrer immer noch in mehreren Räumen in Jacke, Mütze und mit Schal an den Tischen, weil Löcher um die alten Holzfenster mit Zeitungspapier gestopft werden und die Scheiben rissig sind“, berichtet er. Sechs Fenster konnten bei diesem Besuch durch moderne Kunststofffenster ersetzt werden, weitere acht möchte Langner im kommenden Jahr tauschen lassen. Auch im Altenheim werden die Spenden für Sanierungsarbeiten verwendet.
In Bobrusik habe ihn der Kreisarzt gefragt, ob es möglich sei, einen Krankenwagen aufzutreiben – das wird Langner größtes Projekt für das kommende Jahr. „Ich hoffe wieder auf die Hilfe meiner Freunde und Unterstützer hier in Deutschland“, sagt er. Auch wenn ihm die Behörden in Weißrussland weniger Steine in den Weg legen, eine grundlegende Besserung sieht er nicht. Während Schulen und Heime verfallen, baut die Regierung nebenan prachtvolle Parks, hat Langner auch jetzt wieder gesehen. „Ich weiß, dass Hilfslieferungen wie meine diese Verhältnisse zum Teil stabilisieren“, gibt er zu. „Das was wir leisten, muss die Regierung nicht tun. Aber ich möchte den sehen, der sich angesichts der Hilfsbedürftigkeit der Menschen dort umdreht und geht. So lange ich kann und Unterstützer habe, werde ich weiter Hilfe bringen.“
